In dem Beitrag über Winterfilme letzte Woche hatte ich es schon angedeutet: ich mag – neben vielen anderen Genres – auch Action- und Katastrophenfilme. Arrival fällt in die Kategorie Science Fiction und durch die starke Militärpräsenz wohl auch in die Kategorie Action, beinhaltet aber noch so viel mehr.
Obwohl ich dazu neige, Serien und Filme zu wiederholen, die mir gut gefallen haben, gibt es nur wenige, die ich derart oft geschaut habe wie Arrival. Das hat verschiedene Gründe, die ich in dieser Filmkritik genauer beleuchte. Viel Spaß beim Lesen!
Sprache und Kommunikation zwischen Menschen und Aliens
Inzwischen gibt es viele Filme, die den Erstkontakt von Mensch und Alien behandeln. Mir fallen spontan Independence Day, die Filmreihe Men in Black oder Contact ein. Meist konzentrieren diese Filme sich darauf, was die Aliens wollen, wie die Menschheit sich verteidigt und wie diese neue Spezies die Welt unumkehrbar verändert. In Arrival wird der Bereich mehr in den Fokus gerückt, der sonst eher als kleines Detail oder Randnotiz erscheint: die Kommunikation.
Mich stört in Science Fiction Filmen oder Serien häufig, dass man einfach so miteinander kommunizieren kann. Manchmal gibt es gute Erklärungen dafür, wie zum Beispiel bei Doctor Who. Andere Filme versuchen es mit Zahlensystemen, ich erinnere mich dunkel an eine Szene, in der die Kommunikation über einen Binärcode lief. Arrival holt nun eine Sprachwissenschaftlerin mit Übersetzungserfahrung ins Boot, um eine komplett neue Art der Verständigung aus dem Boden zu stampfen.
Warum dieser Aspekt mich abholt, mit meinem Hintergrund aus Sprachstudium und Interesse an Fremdsprachen, das brauche ich wohl nicht erklären. Es ist aber nicht nur die Tatsache, dass Sprache und Kommunikation in Arrival endlich einmal mit dem gebotenen Respekt behandelt wird, über die ich mich freue. Auch die Umsetzung gefällt mir sehr gut.
Zwischenmenschliches
Während die Linguistin (Amy Adams) versucht zu entschlüsseln, was die Aliens wollen, sitzt ihr das Militär im Nacken. Die Aliens sind weltweit aufgetaucht und die einzelnen Staaten, wie könnte es anders sein, versagen an dem Versuch, eine gemeinsame Lösung zu finden. Jeder setzt eigene Sprachexperten mit unterschiedlichen Ansätzen ein, doch man teilt die Ergebnisse nicht miteinander. Stattdessen spitzt sich die Situation immer weiter zu und die Bereitschaft zur Gewalt wird immer größer. Auch der zurate gezogene Physiker (Jeremy Renner), der Phänomene wie um 90 Grad gedrehte Schwerkraft innerhalb des Raumschiffs erklären soll, kommt an seine Grenzen.
Nach und nach entschlüsselt Louise das Schriftsystem, mit dem die Aliens kommunizieren, und entwickelt eine Möglichkeit, dieses zur Verständigung zu kopieren. Dabei beginnt sie irgendwann gemäß der Sapir-Whorf-Hypothese, in der fremden Sprache zu träumen. Ihre Wahrnehmung von Zeit und Fakten beginnt sich zu verändern. Sie empfindet zunehmende Nähe zum Physiker. Sie hat Flashbacks zu ihrer früh verstorbenen Tochter und bemerkt einzelne Gedächtnislücken.
Erzählweise
Den Film Arrival zu schauen ist beim ersten Mal sehr verwirrend. Gegen Ende kann man sich bruchstückhaft zusammensetzen, wie die Erzählebenen funktionieren und wie die Handlung zu verstehen ist. Richtig begreifen kann man die Geschichte aber wohl erst beim zweiten Durchlauf. Und je öfter ich Arrival sehe, desto mehr Details fallen mir auf.
Ohne zu spoilern kann ich an dieser Stelle leider keine Beispiele nennen. Aber so viel sei gesagt: Es ist kein einfacher Action-Streifen, in dem Soldaten und Politiker die letzte Entscheidung treffen. Stattdessen ist es die oft belächelte Frau aus einem Forschungsfeld, das als Bestandteil von „Kunst und Kultur“ gern gesellschaftlich ans untere Ende der Nahrungskette gesetzt wird, weil Technik, Finanzen und Politik als so viel relevanter angesehen werden. Diese Frau hat die speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten, die an diesem entscheidenden Punkt der Menschheitsgeschichte gebraucht werden und letztendlich wohl die Erde vor einem Dritten Weltkrieg retten. Auch diese Fokusverschiebung – weg von den für dieses Genre so üblichen Männern der Naturwissenschaft – macht für mich Arrival zu etwas besonderem.
Arrival ist kein hektischer Actionfilm. Der Film arbeitet mit unfassbar gut passender Musik und einer raffinierten Farbgebung. Er ist mal langsam und melancholisch, mal schnell und an anderer Stelle wieder gemächlich – je nachdem, in welcher Situation sich Louise gerade befindet.
Es geht in Arrival natürlich auch darum, wie die Menschheit mit Aliens umgeht, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen. Aber vielmehr geht es um das Leben und Wirken dieser einen Person, um ihre Gefühle und Gedanken – um ihre Sprache.
Arrival
Genre/Themen: Science Fiction, Aliens, Sprache, Psychologie, Militär
Originaltitel: Arrival
Originalsprache: Englisch
Hauptdarsteller*innen: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer, Ted Chiang
Filmlänge: 1 Std. 56 Min.
Jahr: 2016
FSK: 12 (Ich empfehle Arrival eher ab 15 Jahren.)
Auszeichnungen: 71 Gewinne, 268 Nominierungen
Bewertungen: Rotten Tomatoes 8,4. Metacritic 81 %.
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