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In diesem Beitrag stelle ich euch kurz 5 Bücher für junge Erwachsene vor, die besonders junge Frauen ins Zentrum ihrer Geschichte stellen: große Liebe – queer und cis -, rachsüchtige und schlagkräftige Frauen und der Versuch, sich in einer von Männern dominierten Welt selbst zu behaupten.
Am Ende des Beitrag findet ihr wie immer ein paar Meinungen anderer Blogger:innen zu diesen Büchern, weil ich es spannend finde andere Perspektiven auf dasselbe Buch zu lesen – ihr ja vielleicht auch?
I knew you were Trouble| Kami Garcia

Oje, wo fange ich hier nur an … Vielleicht damit: ich glaube, ich bin aus dem Genre Young Adult (= etwa sechzehnjährige Hauptfiguren) inzwischen herausgewachsen. Irrationale Entscheidungen und wirklich unfassbar oberflächliche Charaktere, dazu absolute Klischeebedienung und ein vorhersehbares Happy End haben mich kaum genug unterhalten, um Freude an den 400 Seiten zu haben.
Um ein Beispiel für Klischees zu nennen: Sie lebt in einem reichen Viertel und kommt vom „rechten Weg“ ab, wird beim Undercover-Cop-Vater untergebracht, wechselt auf die Schule im schlimmsten Viertel der Stadt und findet einen Freund mit schlechtem Image, der aber eigentlich ein lieber Kerl ist.
Ab und zu gibt es Anspielungen an Fast & Furious oder ähnliche Szenen, die mich haben schmunzeln lassen, aber das waren auch schon die einzigen Lichtblicke. Neben dem langweiligen Schreibstil und der fehlenden Tiefe der Charaktere und der Geschichte an sich wurden auch noch problematische Inhalte transportiert: die Welt ist in schwarz-weiß gemalt und die Grauzonen, die ja durchaus thematisiert werden, sind immer als Ausnahmen von der Regel dargestellt, nicht einfach als normaler Alltag anderer Menschen. Othering vom Feinsten, so ganz nebenbei eingestreut.
Insgesamt war ich ziemlich enttäuscht von I knew you were Trouble und werde so schnell von Kami Garcia nichts anderes mehr lesen.
And I darken | Kiersten White
Ich hatte anfangs Schwierigkeiten, in das Buch zu finden (was bestimmt auch damit zusammenhing, dass ich mit englischen Büchern nicht so viel Übung habe), sodass ich erst nach etwa 13 Kapiteln so richtig gefesselt war. Das Lesen fiel mir zunehmend leichter: entweder ist der Einstieg also unnötig kompliziert geschrieben oder, und das wird vermutlich zutreffender sein, ich habe mich einfach daran gewöhnt.

Lada, die Hauptfigur, ging mit ziemlich auf den Keks, aber ich mag, dass sie nicht wunderschön beschrieben wird wie sonst die meisten Heldinnen. Mit der Zeit wird sie als Figur und damit ihre Beweggründe auch greifbarer. Es hat mir gut gefallen, eine extrem starke Frau als Hauptfigur zu haben, aber ich finde es schade, dass sie wirklich alle Aspekte des Frauseins ablehnt. Das impliziert, dass „feminine“ Frauen nicht dasselbe erreichen und so stark sein können wie Lada.
Im Klappentext wird die Beziehung von Lada, Radu und Mehmed als toxisch bezeichnet – treffender könnte man es nicht ausdrücken. Trotzdem habe ich das bleibende Gefühl, dass Klappentext und auch das Cover irgendwie irreführend sind. Das zweite Cover (s. rechts) finde ich sehr viel treffender; ich habe die Ausgabe mit den lila Blumen gelesen.
Joli Rouge | Alexandra Fischer

Ich hatte mich sehr auf Joli Rouge gefreut – endlich eine selbstständige junge Piratin als Hauptfigur! Letztendlich war das Buch aber so langweilig, dass ich oft ganze Kapitel übersprungen habe und doch nicht das Gefühl bekam, etwas verpasst zu haben.
Es wird aus mehreren Perspektiven erzählt, viele Figuren stehen im Mittelpunkt. Während der Klappentext eine heroische Coming-of-Age-Geschichte einer taffen jungen Frau verspricht, liegt der Fokus für meinen Geschmack viel zu sehr auf Politik und den Machenschaften der Männer. Zusätzlich ist die „Roquette“ (auf Deutsch „Rakete“) keine angenehme Person für mich als Leserin: sie ist weder interessant noch bemerkenswert. Erst, als sich eine Beziehung zum Totenkopf anbahnte wurde es wirklich spannend – und dann gab es einen Zeitsprung, der viel von dem ausließ, was ich doch nun über die beiden wissen wollte.
Dass sie einen Mann an ihrer Seite brauchte, um als Figur interessant zu werden, gefällt mir so gar nicht. Besonders, da dieses Buch doch eigentlich eine ganz andere Geschichte erzählen wollte. Joli Rouge war mein erstes Buch aus dem Drachenmond Verlag. Ich hoffe, das Programm hat sich seit Erscheinen dieses Buches (das war 2016) weiterentwickelt und verbessert.
The Henna Wars | Adiba Jaigirdar

Dieses Buch ist mit auf Twitter begegnet, als über queere Bücher gesprochen wurde. Ich habe es direkt gekauft, da ich viel zu wenige own voices-Geschichten mit lesbischer Thematik lese und meinen Horizont ein bisschen ausweiten wollte. In The Henna Wars kommen noch ein paar mehr Faktoren vor: es gibt kulturelle Konflikte durch Herkunft und Religion der Hauptfiguren; Rassismus, Homophobie und Mobbing im Schulkontext sind drei große Elemente, mit denen Nishat und Flávia konfrontiert werden.
Ich habe bei einer solchen Ansammlung von Konfliktthemen oft die Befürchtung, dass es zu überladen und zu gewollt wirkt. Die Autorin schafft es aber extrem gut, diese Intersektionalität unverkrampft und natürlich zu vermitteln. Die Geschichte wirkt realitätsnah und das emotionale Innenleben der Figuren passt zu heutigen Teenagern: nicht zu kindlich, nicht zu erwachsen. Es sind echte Probleme, mit denen sich die Hauptfiguren herumschlagen müssen, und so echt wirken sie auch. Stellenweise habe ich mich an Wie du mich siehst von Tahereh Mafi erinnert gefühlt, ein weiteres Buch über reale interkulturelle und soziale Probleme heutiger Jugendlicher.
Was mir auch gut gefallen hat, ist die Art und Weise, wie die Figuren für sich selbst und füreinander einstehen und die Tatsache, dass basierend auf ihren jeweiligen Charakterzügen sinnvolle oder nachvollziehbare Entscheidungen getroffen werden. Obwohl es „wieder eines dieser Jugendbücher über Liebe“ ist, sind weder Nishat noch Flávia ausschließlich hormon- oder triebgesteuert oder verfallen in kindliche Streits. Der Schreibstil ist auch noch extrem angenehm zu lesen und obwohl ich das Buch auf Englisch gelesen habe – soweit ich weiß gibt es leider noch keine Übersetzung – habe ich es geradezu inhaliert. Noch ein i-Tüpfelchen: Die Handlung entwickelt sich sehr natürlich.
The Henna Wars ist eines meiner Highlights aus den letzten Jahren und ich weiß gar nicht, warum ich bisher noch nicht darüber geschrieben habe!
Grave Mercy 1. Die Novizin des Todes | Robin LaFevers

Trotz dem etwas klobigen Einstieg hatte ich Grave Mercy nach einer Woche durchgelesen. Es ging schnell voran. Die Handlung blieb insgesamt recht schlicht, wird aber zunehmend besser. Die Folgebände von Grave Mercy sind keine Fortsetzung aus derselben Perspektive, sondern nehmen die Blickwinkel der anderen Novizinnen ein. Ich bin mir auch unsicher, ob die Handlung direkt fortgesetzt wird.
An den beiden Protagonist:innen habe ich meinen Gefallen gefunden, wenn auch einiges gewöhnungsbedürftig war. Ihre Geschichte würde ich gern weiter verfolgen. Das Ende wirkt jedoch so, als sei sie mit diesem Buch abgeschlossen. Dass es Teil 1 einer Reihe ist, habe ich erst im Nachhinein herausgefunden.
Der historische Kontext hat mich durchgehend etwas verwirrt, vielleicht hätte ich das schon direkt am Anfang nachforschen sollen. Allerdings gehört für mich in einem historisch angelegten Roman auch dazu, die Hintergründe zumindest in Ansätzen zu erklären. Das habe ich hier vermisst. Trotzdem hat mich Grave Mercy recht gut unterhalten.
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