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Nachdem mich Bite the Bride in der Buchhandlung mit einem toll gestalteten Farbschnitt anlockte und die Sprecherin Yeşim Meisheit mich kürzlich in Annette Maries Dunkle Künste und ein Daiquiri von sich überzeugen konnte, wurde ich neugierig auf dieses Hörbuch. Ich wusste, dass eine Zweckehe zwischen einem Vampir und einem Menschen im Zentrum der Geschichte steht und dass das trope haters to lovers vorkommt – sign me up!
Was mich überraschte – auch, weil ich mir die Kleidung auf dem Cover nicht genauer angeschaut hatte, das gefällt mir nämlich nicht halb so gut wie der tolle Farbschnitt – war das Setting in den 1920er Jahren. Das war eine angenehme Abwechslung!
Das ganze Setting und schließlich auch die Beziehung zwischen Katherine und Ethan erinnerten mich stark an Deborah Harkness‘ Reihe um Diana und Matthew, die als Serie mit dem Titel A Discovery of Witches verfilmt wurde. Sogar eine Nebenfigur mit dem Namen Diana gibt es, deshalb halte ich das nicht für Zufall. Es gibt auch eine Piper, aber das ist der einzige Hinweis auf die Serie Charmed, die mir auffiel.
Inhaltlich unterscheidet sich die Handlung aber stark, sodass ich Bite the Bride als ganz eigenes Werk sehe. Ähnlichkeiten gibt es durch das Setting im akademischen Umfeld, durch die Partnerschaften zwischen verschiedenen Spezies (Vampir, Mensch; Mensch, Werwolf) und die Verstrickungen der Vampire in der Historie der Menschheit, besonders im Zusammenhang mit Frankreich.
Weil die Geschichte im frühen 20. Jahrhundert spielt, unterscheidet sie sich stark von den Fantasyromanen, die ich normalerweise lese. Und dann auch wieder überhaupt nicht. Was ich damit meine:
Die Themen sind dieselben, aber die Art der Erzählung und der gesamte Umgangston sind anders. Es geht hier wie in so vielen anderen Romanen darum, dass ein „einfacher, schwacher, unbedeutsamer Mensch“ (meist die Frau) durch bestimmte Umstände an Relevanz gewinnt und sich durchzusetzen lernt, wodurch sich der übernatürliche arrogante love interest (meist der Mann) in seiner Faszination für sie bestätigt sieht. Aber im Gegensatz zu modernen Romanen wird das nicht durch chatten, anbaggern oder auch nur flirten ausgedrückt, sondern – und in den Momenten fühlte es sich schon fast wie Jane Austens Stolz und Vorurteil an – durch kühle Distanz und verzweifelte Versuche, die Kontrolle über die eigenen Gefühle zu behalten.
Ab und zu vergaß ich die Zeit, in der die Geschichte spielt und ertappte mich mehr als einmal bei dem Gedanken, warum Katherine so viele Kleider und Röcke trägt oder warum sie bestimmte Verhaltensweisen der Männer durchgehen lässt – um dann durch Worte wie Grammofon oder Soiree wieder eingefangen zu werden. Es war ein anderes Lesen/Hören, als ich gewohnt bin, aber noch nah genug an den Geschichten, die ich normalerweise verfolge. Wie gesagt, eine nette Abwechslung, wenn auch etwas außerhalb meiner comfort zone.
Die Handlung von Bite the Bride selbst war gar nicht schlecht, hätte für meinen Geschmack aber einen ordentlichen Zahn zulegen können. Katherine und Ethans Beziehung wurde mir stellenweise zu eintönig, was reichlich Tempo aus der Erzählung nahm: Nach langem Herauszögern springen sie für meinen Geschmack zu häufig zusammen ins Bett, ohne, dass es der Handlung irgendwie einen Mehrwert geboten hätte. Hier gewann ich den Eindruck, dass nachträglich „mehr spice“ eingefügt wurde um den aktuellen Booktok-Trends zu folgen, ohne, dass es wirklich zur Story gepasst hätte. Ansonsten war das Geheimnis um gestohlene Buchseiten und mysteriöse magische Flüche spannend geschrieben. Ein paar Details habe ich vorausgeahnt, sodass mich das Ende nicht sehr überraschte, aber es waren auch einige unerwartete Wendungen dabei.
Wie vermutet konnte mich Yeşim Meisheit auch diesmal wieder überzeugen. Sie liest unaufgeregt in angenehmer Stimmlage und trifft die Emotionen der Figuren sehr gut. Auch Vincent Fallow, der die Kapitel aus Ethans Perspektive liest, wurde gut gewählt. Ich musste mich, wie immer bei neuen Hörbuchsprecher*innen, erst kurz an seine tiefe Stimme gewöhnen. Er wurde aber sehr schnell zur Verkörperung von Ethans innerer Stimme für mich, passte also super zur Geschichte.
Fazit
Insgesamt ist Bite the Bride für mich kein besonderes oder großartiges Buch. Es hat mich ein bisschen über meinen Tellerrand blicken lassen und mich einige Tage auf meinem Weg zur Arbeit gut unterhalten, aber ich glaube kaum, dass ich mich in einem Jahr noch an diese Geschichte erinnere – nicht negativ, aber eben auch nicht außergewöhnlich positiv. Sprachlich finde ich Bite the Bride sehr angenehm, die Sprecher*innen des Hörbuchs passen hervorragend, aber inhaltlich fehlten mir Spannung und das gewisse Etwas.
Vielen Dank an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar!
Titel: Bite the Bride
Autor*in: Penny Juniper
Übersetzung: –
gelesen von: Yeşim Meisheit, Vincent Fallow
Reihe/Band: Darkthorn Archives 1
Verlag: Silberfisch/Carlsen COVE
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Romantasy, Urban Fantasy, Magie, haters to lovers, fake marriage, forced proximity, ab 16 Jahren
Preis: je nach Anbieter (Hier geht’s zu Genialokal.)
ISBN: 978-3-8449-4396-2
Erschienen: 29.09.2025
gelesenes Format: Hörbuch, auch als Paperback oder eBook erhältlich
Umfang: 14 Stunden 36 Minuten
Besonderheit: Ungekürzte Lesung


