Zum Inhalt springen

Rezension: Der Zauber der Tinte 1. Totales Klassenchaos | Lissa Lehmenkühler, gelesen von Janina Sachau

etwa 8 Minuten Lesezeit

Der Zauber der Tinte – allein dieser Titel machte mich neugierig auf die Geschichte, die in diesem Buch steckt. Ich erwartete eigentlich mit der Zaubertinte geschriebene Worte, doch der Klappentext belehrte mich eines Besseren: gezeichnete Tintenwesen! Was mich schließlich überzeugte, das Hörbuch auszuprobieren, war der Name des Kunstlehrers: Herr Machnacher! Das versprach Wortwitz, und dafür bin ich immer zu haben! Diesen habe ich leider nicht so bekommen wie erhofft, aber Der Zauber der Tinte hat mich trotzdem von sich überzeugen können.

Worum geht es in Der Zauber der Tinte 1. Totales Klassenchaos?

Wanda mag Veränderungen überhaupt nicht! Und dann muss ausgerechnet ihre Klasse nach den Sommerferien in ein neues Schulgebäude ziehen, das alt und gruselig ist. Dort findet Wanda ein altes und magisches Tintenfass! Die Dinge, die Wanda mit der Tinte zeichnet, erwachen zum Leben und sorgen für ganz schön viel Spaß und Trubel. Doch was führt der nervige Kunstlehrer Herr Machnacher im Sinn? Hat er es auf die magische Tinte abgesehen? Wanda und ihre Freunde müssen die Magie beschützen und stürzen sich in ein buntes Abenteuer.

Quelle: Verlag

Die Sprecherin Janina Sachau fing mich sofort ein. Sie verleiht jeder Figur in Der Zauber der Tinte sehr liebevoll eine eigene Stimme und schafft es, auch die verschiedenen Tintenmonsterchen eindeutig identifizierbar zu machen. Die Tonqualität ist gut, das Tempo ist sehr angenehm und passend für das Alter der Zielgruppe (ich habe die Geschwindigkeit für mich wieder auf etwa 1,25-1,5 eingestellt), die Stimmen passen zu den Charakteren.

Richtig gut gefielen mir die Handlung und die vielen Details, die ganz selbstverständlich eingewoben wurden. Sehr altersgemäß geht es um einen Schulalltag mit Smartboard und Mobbing, um alleinerziehende Eltern und solche, die nur Bestnoten von ihren Kindern akzeptieren, um den Verlust von Freundschaften und geliebten Haustieren, um den Kontakt zwischen Alt und Jung, um Neuanfänge und die Akzeptanz, dass manches nicht zu reparieren ist.

Ab und zu werden schwierige Wörter verwendet, die sich jedoch immer aus dem Zusammenhang erklären. Dadurch ist die Sprache nicht zu kompliziert, aber auch nicht langweilig und unterfordernd für das Alter der Zielgruppe – 8 Jahre. Die Kinder gehen ganz selbstverständlich mit Smartphones um und reagieren überrascht, wenn sie mit „Steinzeit“-Dingen wie Tastenhandys oder grünen Schultafeln konfrontiert werden. Sie gruseln sich vor dem alten Schulgebäude, in das die Klasse nach einem Wasserschaden kurzfristig umziehen muss – kein einzigartiges Szenario, obwohl es bei uns damals Container waren. Die beschriebenen Szenarios sind insgesamt sehr alltagsnah, trotz des klitzekleinen Details, dass Wanda plötzlich magische Tintenwesen zeichnen uns zum Leben erwecken kann.

Ein paar Beispiele für solche alltäglichen Situationen, die nicht zu sehr spoilern: Ein Kind hat eine Sondererlaubnis, im Unterricht Kaugummi zu kauen, weil es sich dadurch besser konzentrieren kann. Das wird von niemandem kritisiert, außer dem einen Kind, das andere mobbt. Ein Kind will plötzlich nichts mehr mit der bisherigen besten Freundin zu tun haben und kommt nach den Sommerferien mit einer neuen BFF zur Schule. Das führt zu großer Verunsicherung und Trauer bei der ehemaligen Freundin. Ein Kind leidet unsichtbar unter extremem Leistungsdruck durch die hohen Erwartungen der Eltern und kompensiert das durch auffälliges Verhalten im negativen Sinn.

Eine Lehrerin ist extrem motiviert, was die Kinder eher abschreckt, und der Hausmeister darf einfach Mensch sein, was die Kinder viel cooler finden. Die Kinder reagieren positiv überrascht, als sie im gruseligen Keller des neuen Gebäudes feststellen, dass alle Schüler*innen, schon immer, auf den Tischen herumgekritzelt haben, nur damals in Sütterlin. Es gibt Rivalität zwischen den verschiedenen Klassen.

Auch außerhalb der Schule, bei Wanda zuhause, gibt es ganz alltägliche Momente. Das unaufgeräumte Kinderzimmer als Dauerstreitpunkt, der überarbeitete Vater, der seine Tochter mit zur Arbeit im Seniorenheim nimmt, die Freundschaft des Kindes zu schrulligen alten Menschen oder der Nervenkitzel, auf ein Flachdach zu klettern und mit einem Freund die Welt aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Diese Elemente werden es den jungen Lesenden – oder im Fall des Hörbuchs: den Hörenden – leicht machen, sich mit den Charakteren von Der Zauber der Tinte zu identifizieren. Selbst mir mit meinen fast 30 Jahren gelang das problemlos. Daher: Hut ab für die Autorin!

Neben all diesen normalen, aber nicht unwichtigen Alltagsdingen nehmen Wandas magische Tintenfreunde einen scheinbar kleinen Teil der Geschichte ein, dabei bestimmen und verändern sie so viel. Die besonderen Werkzeuge und die durch Wandas Kreativität geschaffenen Wesen finden sie genau im richtigen Moment, um das einsame Mädchen einzufangen und ihr zu zeigen, dass sie genauso toll und besonders ist wie alle anderen auch.

Sie öffnen die Tür für neue Freundschaften, bieten ungeahnte Möglichkeiten für kontrolliertes Chaos (eines der Wesen hat Wanda so geschaffen, dass es alles tip-top sauber hält, ohne das Wanda bestimmen könnte, wann Schluss ist: vom Kinderzimmer über die geputzte Schultafel bis hin zum gemähten Rasen über Nacht) und regen vor allem dazu an, die eigene Kreativität und den eigenen Kopf zu benutzen – in der aktuellen Zeit voller KI eine angenehme Überraschung.

Letzteres wird auch durch den Kunstlehrer Her Machnacher deutlich. Wanda fällt zuerst auf, dass seine Kleidung und sein Bart sie an zwei bekannte Künstler erinnern. Später in der Geschichte gesteht der Lehrer dann selbst, dass er schon länger keine eigenen Ideen mehr hatte und Wandas Zauberfüller benutzen wollte, um auch solche besonderen Bilder zu zeichnen, wie Wanda es geschafft hatte. Obwohl er dasselbe Werkzeug benutzt hatte, wollte es ihm aber nicht gelingen. Die Kinder vollbrachten dann zusammen das Kunststück, den verbitterten und antriebslosen Mann bis zum Überlaufen mit neuer Inspiration zu versorgen, und plötzlich konnte er wieder malen.

Für mich ist daher die wichtigste Botschaft von Der Zauber der Tinte, dass selbst gestaltete Kunst eine wichtige Rolle spielt, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Sie bietet ein Ventil zum Stressabbau, zeigt ungeahnte Möglichkeiten auf, wenn man nicht mehr weiter weiß, oder kann einfach ein stiller Freund sein, der einen beständig begleitet. Daher ist es wichtig, die eigene Kreativität am Leben zu erhalten und nicht zu einem Herrn Machnacher zu werden, der einfach Dinge nachmacht, wie sein Name schon sagt. Und man kann auch nach längeren Pausen jederzeit wieder damit anfangen, selbst kreativ zu sein. Alles, was man dafür braucht, ist ein bisschen Inspiration.

Fazit

Ich habe das Hörbuch Der Zauber der Tinte an einem Nachmittag komplett durchgehört. Die Geschichte hat mir nach einem etwas schleppenden Anfang sehr gut gefallen und die Botschaften, die hier vermittelt werden, hallen sehr positiv nach. Besonders hervorheben möchte ich noch einmal die Selbstverständlichkeit und Subtilität, mit der verschiedene Umstände von Schulkindern in die Geschichte verwoben wurden, ohne auch nur im Geringsten zu stören oder aufgetragen zu wirken, und den Anstoß, sich beim Denken und Kreativ sein auf das eigene Gehirn zu verlassen – nicht auf andere, nicht auf Maschinen, nicht auf Magie. Nur auf sich selbst.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an NetGalley und den Verlag!

Titel: Der Zauber der Tinte 1. Totales Klassenchaos
Autor*in: Lissa Lehmenkühler
Übersetzung:
Sprecher*in: Janina Sachau
Reihe/Band: Der Zauber der Tinte, Band 1
Verlag/Plattform: arsEdition, USM Audio
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Kinderbuch, Schulgeschichte, Freundschaft, Fantasy, Magie, Abenteuer, Mobbing, Einsamkeit, Veränderung, ab 8 Jahren

Preis: 14,99 € (Hier geht’s zum Hardcover auf Genialokal.)
ISBN: 978-3-8032-9097-7
Erschienen: 19.03.2026
gelesenes Format: Hörbuch, auch als Hardcover erhältlich
Umfang: 210 Minuten
Besonderheit: ungekürzte Lesung

Simone auf KiJuBuch (Rezension zum Hardcover)

Was das Buch besonders macht: Es zeigt, dass man nicht nur mit Gleichaltrigen echte Freundschaften schließen kann. Es erzählt davon, wie Trost aus unerwarteten Richtungen kommen kann, wie Vorstellungskraft Dinge ins Rollen bringt und wie jede Veränderung auch etwas Gutes bereithält. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Witz, Fantasie und sprachlicher Finesse – etwa in den liebevollen Wortspielen rund um die Farbe Blau.

Janett auf Bücherkarussell (Rezension zum Hardcover)

Lissa Lehmenkühler erzählt ihre Geschichte witzig und vor allem kurzweilig. Man wird gleich direkt ins Geschehen hineingeworfen, bekommt eingangs den Hintergrund kurz umrissen, im Verlauf der Handlung werden weitere Infos ergänzt. Die Faszination über die Zaubertinte rückt natürlich in den Vordergrund. Sie ist Geheimnis und Hilfsmittel für Wanda, um all die Schwierigkeiten, denen sie sich gegenübersieht, leichter anzunehmen und zu meistern.

Hier könnte deine Meinung stehen!

Du hast dieses Buch auch rezensiert oder möchtest ein paar Zeilen darüber schreiben? Per E-Mail oder als Kommentar unter diesem Beitrag kannst du mir deine kurze Meinung oder den Link zu deiner Rezension zukommen lassen. Ich füge sie dann an dieser Stelle hinzu. Nicht vergessen: Deinen Link zum Blog oder Social-Media-Profil, damit meine Leser*innen dich finden können, wenn sie mehr von dir lesen wollen!

Unsere Meinungen zum Buch dürfen sich gern widersprechen! Bitte achte darauf, nicht nur den Klappentext zu kopieren.

Dieses Bild zeigt das Cover des Hörbuchs Der Zauber der Tinte 1. Totales Klassenchaos von Lissa Lehemenkühler. Im Hintergrund sind ein paar Tintenkleckse zu sehen.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert