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Rezension: Immerland. Die Stadt der Ewigkeit | FLIX

etwa 6 Minuten Lesezeit

Zuerst war ich sehr fasziniert von dieser sonderbaren Reise, von der Stadt Immerland, in die Mika mit seiner Oma hineinstolpert. Aber je länger die Geschichte ging, desto weniger Freude hatte ich am Lesen.

Worum geht es in Immerland?

Spektakulär, witzig und bildgewaltig – als hätte Flix es gezeichnet. Flix erzählt von den Abenteuern des 12 5/6 Jahre alten Mika, der in den scheinbar ödesten Sommerferien aller Zeiten über sich hinauswachsen muss. Dass er dafür mit dem Auto durch die dunkle Nacht rast, um seine Oma zu retten – Kleinigkeit. Und mit einem Luftschiff in die fremde Stadt fährt? Geschenkt!

Aber warum geht dort plötzlich alles in Erfüllung, was er sich wünscht? Wieso erledigen Affen das, worauf er keine Lust hat? Und weshalb findet er sogar im Club der großen Geister mit Leichtigkeit Freunde? Irgendetwas stimmt nicht, und Mika dämmert es langsam: Dies ist keine gewöhnliche Reise, sondern eine Frage von Leben und Tod! Eine rasante Geschichte voller unerwarteter Wendungen, die zeigt, was für ein großes, wildes Abenteuer es ist, erwachsen zu werden.

Quelle: Verlag

Ich wurde stellenweise an Studio Ghiblis Chihiros Reise ins Zauberland und auch an Alice im Wunderland erinnert (mit beiden Geschichten verbinde ich nicht unbedingt positive Erinnerungen …): aus kleinen Merkwürdigkeiten, die man mit einem Schulterzucken abtun kann, werden gefährliche Situationen und bedrohliche Charaktere. Anfangs ist es witzig und spannend, dass es überall Affen mit menschlichen Eigenschaften gibt, dass alle Personen jung zu sein scheinen und dass Mika endlich die Anerkennung erfährt, nach der er sich so sehr sehnt. Dann kommen zu viele Zufälle zusammen, zu viele Dinge, die zu schön sind, um wahr zu sein. Und irgendwann legt sich ein Schalter um, wonach alles irgendwie beängstigend wird und Mika schleunigst die Flucht antreten sollte.

Gesellschafts- und Konsumkritik werden in Immerland groß geschrieben. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass weniger deutlich mit dem belehrend erhobenen Zeigefinger gewunken würde. Man hätte die Moral auch subtiler einbinden können, oder Mika selbst auf den Gedanken kommen lassen, dass in der Stadt Immerland irgendetwas nicht in Ordnung ist, anstatt andere Figuren dazu einzusetzen, es ihm unter die Nase zu reiben. Ja, Mika ist erst 12, fast 13 Jahre alt. Aber wäre es nicht viel effektiver für das Lesepublikum, wenn die Hauptfigur selbst nach und nach die Störfaktoren in Immerland entdeckt?

Die Charaktere, Mika eingeschlossen, fand ich nicht so gut gelungen. Dass sich der Roman Immerland an ein „nur“ zwölfjähriges Publikum richtet, ist für mich kein Grund für so eindimensionale Figuren. Mit sehr wenigen Ausnahmen waren alle Figuren auf einzelne Eigenschaften beschränkt, als seien sie nur Repräsentationen von Gier, von Experimentierfreude oder von Muskelkraft. Die „guten“ Figuren waren schön, die „bösen“ Figuren haben knorrige Nasen oder andere Schönheitsmakel.

Sehr gut gefallen hat mir der Roboter-Wettbewerb, in dem Mika seine Fähigkeiten einsetzen konnte und endlich einmal die Erfahrung machen durfte was es heißt, Freunde und Verbündete zu haben und für seine Hobbys wertgeschätzt zu werden. Ich mochte auch die Szenen, in denen Mika mit seiner Oma zusammen ist und langsam lernt, ihre Eigenheiten zu akzeptieren, anstatt nur genervt zu sein.

Die Architektur der Stadt fand ich super interessant; mit den Gebäuden, die unten an die Steinzeit erinnern und im Lauf der Epochen zu immer größeren Hochhäusern wurden, deren einzelne Etagen nach oben hin immer moderner wurden; mit den sich verändernden Straßen und Dekorationen, je nachdem, ob man einen Armreif trägt oder nicht.

Auch der Schreibstil sagt mir zu. Auf eine erfrischende Weise wird authentisch aus der Perspektive eines Jugendlichen erzählt, ohne dabei in zu betonte Jugendsprache abzurutschen. Durch Mikas Augen sehen wir diese neue, merkwürdige Welt und die Figuren um ihn herum. Die Illustrationen waren nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber sie lockern das Buch auf eine angenehme Weise auf.

Kurz gesagt:

Die Welt, die FLIX mit Immerland entwirft, finde ich spannend und gut gezeichnet. Was mir etwas die Freude am Lesen vermiest hat waren die Figuren und die zu offensichtlichen Lehren, die diese Geschichte mit ihnen vermitteln soll. Leider macht das für mich den Großteil der Handlung aus, weshalb ich zwar neugierig bin, wie die Geschichte von Mika ausgeht – insbesondere nach dem für mich überraschenden Cliffhanger, da ich eine in sich abgeschlossene Geschichte erwartet habe – aber ich glaube nicht, dass ich die Fortsetzung lesen werde.

Vielen Dank an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Titel: Immerland. Die Stadt der Ewigkeit
Autor*in: FLIX
Illustrationen: FLIX
Reihe/Band:
Verlag: Hanser
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Fantasy, Abenteuer, Selbstfindung, ab 12

Preis: 15,99 € (Hier geht’s zu Genialokal.)
ISBN: 978-3-446-28492-0
Erschienen: 22.07.2025
gelesenes Format: eBook, auch gebunden erhältlich
Umfang: 352 Seiten
Besonderheit: mehrere Illustrationen des Autors

Flix schickt seinen Helden auf eine magische Reise voller Gefahren, voller Herausforderungen und schrecklichen Entdeckungen. […] Knapp 250 Seiten, die man einfach nur verschlingen kann, lassen eine*n am Ende der sagenhaften Reise mit dem Trost zurück, dass im Herbst 2026 der nächste Band erscheinen wird.

Der Schreibstil ist sehr bildlich und leicht und locker zu lesen, deshalb sind auch die ersten Seiten nur so dahingeflogen und bis Mika mit seiner Oma Immerland erreicht fand ich die Geschichte auch richtig spannend und mitreißend. Im Laufe der Zeit hat sich dieser Zustand aber leider verflüchtigt. Zunächst wird Immerland noch wirklich sehr chaotisch und fantasievoll beschrieben und der Autor hat auf jeden Fall eine Menge Ideen im Kopf, die mir teils gefallen haben, teils weniger, aber es wurde mir dann mit der Zeit etwas „Zu viel“ von allem und die Handlung hat sich im Mittelteil der gezogen in meinen Augen.

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Diese Abbildung zeigt das Cover des Buches Immerland - Die Stadt der Ewigkeit von FLIX mittig vor einem Foto-Hintergrund. Dieser zeigt einen zartblauen Himmel mit einigen weißen Wolken.

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