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Rezension: Midwatch. Schule der unerwünschten Mädchen| Judith Rossell (Hörbuch)

etwa 7 Minuten Lesezeit

Midwatch – Schule der unerwünschten Mädchen ist das erste richtige Kinderbuch, das ich seit längerer Zeit gelesen – oder in diesem Fall gehört – habe. Es war das Cover, das mich zuerst ansprach und an Steampunk erinnerte, bevor ich die jungen Abenteurerinnen entdeckte. Danach war es schließlich das Konzept, das mich zum Lesen bzw. Hören animierte: Mädchen stehen im Fokus und erleben all die Abenteuer, die sonst oft Jungen vorbehalten werden.

Worum geht es in Midwatch. Schule der unerwünschten Mädchen?

Maggie Fishbone wird auf das Midwatch-Institut für unerwünschte Mädchen geschickt. Doch Maggie stellt bald fest, dass das Institut nicht der schreckliche Ort ist, für den ihn alle halten. Im Gegenteil: The Midwatch heißt die verstoßenen Mädchen willkommen und ermutigt sie, ihre Talente einzusetzen und weitere nützliche Fähigkeiten wie Schlösserknacken und Morsen zu erlernen. Denn es sind die verstoßenen Mädchen des Midwatch-Instituts, die mit ihren besonderen Fähigkeiten Kriminalfälle lösen und die Stadt vor Bösewichten beschützen.

Quelle: Verlag

Oft erinnerte Midwatch mich an die Romane um Fünf Freunde oder, und das ganz besonders, an Hanni und Nanni: zwei Schwestern, die mit ihren neuen Freundinnen im Landschulheim eine Regel nach der nächsten brechen und ihren Lehrerinnen Streiche spielen. Derselbe Schalk steckt in Midwatch, besonders in Szenen mit der Schulleiterin. Sie könnte geradezu mit den beiden Mädchen verwandt sein. Auch die drei neuen Schülerinnen, die im Zentrum dieser Geschichte stehen, haben es faustdick hinter den Ohren und machen Hanni und Nanni alle Ehre.

Ich finde es richtig gut, wie dieses Buch nicht nur die eigenen Hauptfiguren dazu ermutigt, „nützliche Dinge“ auszuprobieren und zu lernen, sondern dass diese Botschaft auch an die junge Zielgruppe weitergegeben wird. Verschiedene Knoten, Schlösserknacken, die Orientierung in der Stadt, lautes Schreien und schnelles oder unbemerktes Laufen – oder auch einfach nur Mut – sind Fähigkeiten, die oft Jungs zugeschrieben und Mädchen nicht zugetraut werden, noch immer. Es sind Dinge, für die Mädchen oft gerügt werden: Sei leise, halt die Finger still, geh nicht allein los, sei lieber vorsichtig, …

Dass diese Fähigkeiten nun als etwas Erstrebenswertes für Mädchen dargestellt und in der Geschichte effektiv als Beispiele eingesetzt werden, um einen geheimnisvollen Fall zu lösen, finde ich wirklich sehr gut umgesetzt. Es wird trotz der eingeschobenen Auszüge aus dem Lehrbuch, die zur besseren Erkennbarkeit auch von einer anderen Sprecherin gelesen werden, nicht zu abstrakt. Dadurch ist immer direkt erkennbar, welchen Nutzen eine Fähigkeit haben könnte. Das kann so etwas Spezielles sein wie in Morsecode Geheimbotschaften zu versenden, aber auch ganz allgemein das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und der Zusammenhalt mit Freundinnen.

Der mysteriöse Fall, den die Mädchen von Midwatch lösen müssen, ist sehr interessant und originell. Er beginnt mit dem Verschwinden einer Frau und endet mit einer rasanten Verfolgungsjagd, während gleichzeitig der Waisenhaus-Inspektor abgewehrt werden muss. Immer wieder wird es derart actionreich und spannend, dass mir zwischendurch kurz der Gedanke kam, ob das denn wirklich noch altersgemäß ist – und dann dachte ich an Die drei ??? und habe mich selbst beim Wiederholen einer gelernten Meinung erwischt, die gar nicht meine eigene ist, indem ich den lesenden Mädchen für einen Moment weniger zugetraut habe als den Jungs. Diese Geschichte ist ein großes Abenteuer mit einer wirklich tollen Botschaft an die junge Leserschaft, aus dem aber offensichtlich auch wir Erwachsenen noch etwas mitnehmen können.

Natürlich gehöre ich nicht mehr zur Hauptzielgruppe dieses Kinderbuchs. Trotzdem hatte ich große Freude beim Hören und habe die drei Mädchen gern auf ihrem Abenteuer begleitet. Die Erzählweise war sehr angenehm zu verfolgen, der Stil flüssig und Details, die später beim Lösen des Falls helfen würden, clever eingestreut. Auch die Sprecherinnen haben mit Aussprache, Betonung und der stimmlichen Charakterisierung der einzelnen Personen einen guten Job gemacht.

Für meinen Geschmack war das Hörbuch nicht schnell genug gesprochen – ich habe den größten Teil in 1,3- bis 1,5-facher Geschwindigkeit gehört -, aber das lässt sich ja inzwischen überall recht gut einstellen und für Kinder ist das langsamere Tempo wahrscheinlich besser.

Ich werde Midwatch definitiv weiterempfehlen. Noch ist meine Nichte zu klein, aber ich würde mich freuen, wenn sie mit der Message von Midwatch aufwachsen würde. Denn eines hat Midwatch (jedenfalls meiner Erinnerung nach) Hanni und Nanni voraus: Die beiden Schwestern wurden immer wieder für ihre Abenteuerlust getadelt. Die Mädchen am Midwatch-Institut dagegen gewinnen Auszeichnungen für ihre Abenteuer und werden gelobt, wenn sie auch im Geheimen agieren.

Ich bin schon sehr gespannt, ob es Fortsetzungen geben wird und welches Abenteuer die Mädchen von Midwatch als nächstes erwartet.

Vielen Dank an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Titel: Midwatch. Schule der unerwünschten Mädchen
Autor*in: Judith Rossell
Übersetzung: Bettina Obrecht
gelesen von: Merete Brettschneider, Maria Hartmann
Verlag: der Hörverlag/Penguin junior
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Kinderbuch, Abenteuer, Krimi, Historisch, Magie, ab 10 Jahren

Preis: 16,00 € (Hier geht’s zu Genialokal.)
ISBN: 978-3-8445-5403-8
Erschienen: 30.07.2025
gelesenes Format: Hörbuch, auch gebunden oder eBook erhältlich
Umfang: 6 Stunden 49 Minuten
Besonderheit: Ungekürzte Lesung

Jetzt bleibt nur nur zu hoffen, dass es sich hierbei um den Start einer mehrteiligen Reihe handelt. Das Buch endet zwar in sich abgeschlossen, lässt aber genügend Spielraum für weitere Bände und macht definitiv Lust auf mehr! […] Unterhaltsam, skurril, ein bisschen gruselig und magisch und mit viel Herz und Charme. Ich habe es geliebt […].

Eine etwas skurrile und lustige Internatsgeschichte mit Krimi-Elementen. Der Fokus liegt klar darauf, dass jedes Mädchen so sein soll, wie es ist und ihre eigenen Stärken nutzt, um in der Gemeinschaft was zu erreichen. Mir persönlich war es manchmal etwas zu übertrieben, aber ich denke, dass das bei der Zielgruppe der jungen Mädchen super ankommt und lustig und abenteuerreich, war es auf jeden Fall. Mir haben die Krimi-Elemente gut gefallen und auch das Ende war zufriedenstellend.

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Diese Abbildung zeigt das Cover des Hörbuchs Midwatch. Schule der unerwünschten Mädchen von Judith Rossell vor dem vergilbten Foto eines über einer Stadt schwebenden Zeppelins.

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