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Besser spät als nie: Diese Rezension habe ich schon vor einigen Jahren während meiner Blogpause geschrieben und nun überrascht festgestellt, dass ich sie nie gepostet habe. Höchste Zeit, das zu ändern!
Ich gestehe: Bei Up all Night wurde ich wieder einmal Opfer eines großartigen Covers und bin hinterher etwas enttäuscht. Nach einem schweren Einstieg, der mich mehr als einmal fast zum Aufgeben gebracht hat, nimmt die Handlung endlich an Fahrt auf. Bevor ich aber zu dem Teil komme, der mir gut gefallen hat, muss ich ein paar Worte zum Anfang loswerden.
Wer den Klappentext gelesen hat, weiß, dass die Protagonistin einen alles andere als guten Tag hat. Alles, was schief gehen kann, läuft schief (ganz nach Murphys Gesetz), und alles andere gleich mit. Ich kann also gut verstehen, dass jemand, der so etwas erlebt, kaum auf andere Gedanken kommt und das Geschehene wieder und wieder im Kopf hat. Das aber als Leser ständig wieder serviert zu bekommen – und zwar nicht komprimiert wie „dieser Tag war so mies“ oder „ich kann nicht glauben, was mir passiert ist“, sondern als detaillierte Aufzählung – ist einfach nur anstrengend.
Ich habe erst vor wenigen Seiten live mitbekommen, was passiert ist, da brauche ich nicht in jedem vierten Abschnitt eine neue Auflistung, um mich zu erinnern. Aus dramaturgischer Sicht kann ich also verstehen, warum das so geschrieben wurde, aber als Leserin war ich einfach nur genervt. Und zwar dermaßen, dass ich das Buch für ein paar Tage beiseite gelegt habe und nicht weiter daran denken wollte. Allein die Tatsache, dass ich es im Rahmen einer Lesejury-Leserunde gelesen habe, hat mich zum Weiterlesen bewegt. Und rückblickend bin ich froh darüber, da das Buch mit der Zeit immer besser wurde.
Wenn der Anfang eines Buches aber nicht überzeugt, dann hat es schlechte Chancen bei Leser*innen, die weniger motiviert sind als ich es in diesem Fall war. Obwohl diese ersten paar Kapitel wenig sind im Verhältnis zu den vielen guten Stellen, ist das für mich doch ein enormer Minuspunkt.
Aber kommen wir zu dem, was gut war.
Up All Night hat mir abrupt besser gefallen, sobald Taylors Konterpart auftauchte. Ab diesem Moment stimmte das Verhältnis von inneren Konflikten (Es sind richtige Konflikte, nicht mehr nur stetige Jammerei und Selbstmitleid! Ein RIESENfortschritt!) und vorsichtigem Herantasten aneinander, von alter Freundschaft und neuen Beziehungen. Denn es dreht sich nicht mehr alles um Taylor allein (Okay, der Schwerpunkt liegt noch immer auf ihr, aber es ist kein einziges ich, ich, ich mehr. Ihr versteht?), sondern mit Daniel gibt es eine neue Figur im Rampenlicht, die so anders und angenehm ist, einen tollen Charakter hat und alles auffängt, was Taylor ihm entgegenschleudert.
Und ja, diesen Satz habe ich bewusst so formuliert. Daniel ist ein toller Kerl, der endlich einmal – ganz im Gegensatz zu so vielen anderen Protagonisten dieses Genres – nicht nur seine eigenen Ideen und Ziele im Blick hat, sondern viel eher die seiner Partner*in und Freunde voranstellt. Er hat zwar auch Macken und Fehler, aber wer hat die nicht? Das macht ihn irgendwie schräg oder zumindest realistischer.
Die übrigen Figuren in Up all Night fand ich auch recht gelungen, wenn sie auch ziemlich oberflächlich thematisiert wurden. Das ist aber insofern okay, als dass sie eben nur Nebenfiguren und nicht die Protagonisten sind. Vermutlich rücken sie in den Fokus, wenn es an Band 2 und 3 geht.
Die Handlung selbst gefällt mir ganz gut: Sie verliert an einem einzigen Tag alles, er kommt ihr zur Rettung (aber ohne sich als den großen Macker aufzuspielen, sondern ganz bodenständig) und zusammen (ohne „zusammen“ zusammen zu sein) rappeln sie sich wieder auf und wachsen aneinander. Gar nicht schlecht. Aber eben auch nichts Außergewöhnliches.
Ich merke gerade, wie negativ das alles klingt, und möchte diesen Moment nutzen, um eines klarzustellen: Insbesondere das zweite Drittel von Up All Night hat mich sehr gut unterhalten, auch das letzte Drittel war echt gut. Es war angenehm zu lesen, der Schreibstil wurde immer besser – es war, als hätte die Autorin mit dem Buch erst einmal warm werden müssen. Dadurch wurde leider das erste Drittel in meinen Augen ein Desaster und zieht natürlich den Rest mit hinunter, so gut er auch ist.
Fazit
Insgesamt hat mir Up All Night schon ganz gut gefallen, aber eben auch nicht mehr. Wer eine Unterhaltung für zwischendurch sucht, ist hiermit gut bedient, muss aber zu Beginn jede Menge Durchhaltevermögen und Nerven aus Stahl mitbringen, um zum guten Teil zu gelangen. Wer einen tiefschürfenden Roman voller Gefühl erwartet, der einen noch Tage danach beschäftigt und berührt, muss leider mit einer Enttäuschung rechnen.
Dieses Buch wurde mir im Rahmen einer Lesejury-Leserunde zur Verfügung gestellt.
Titel: Up all Night
Autor*in: April Dawson
Übersetzung: –
Reihe/Band: Up All Night, Band 1 von 3
Verlag/Plattform: LYX
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Liebe, New Adult, friends to lovers, forced proximity, ab 16 Jahren
Preis: 9,99 € (Hier geht’s zu Genialokal.)
ISBN: 978-3-7363-1011-7
Erschienen: 29.04.2019
gelesenes Format: eBook
Umfang: 416 Seiten


