Zum Inhalt springen

Gast-Rezension: Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart | Marie-Louise Monrad Møller

etwa 17 Minuten Lesezeit

Diese Gastrezension ist von Rebekka Renken. Eine Liste ihrer Gastrezensionen auf Buchstabensalat.net findest du hier. Gastbeiträge stimmen nicht automatisch mit meiner persönlichen Meinung überein.

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart ist ein interessantes Buch. Der Stil ist vielleicht nicht einzigartig, aber doch besonders. Ähnlich wie ich selbst, schreibt die Autorin Gedanken in dem Moment auf, in dem sie kommen. Es gibt keine Überleitung. Der Stil ist dieser Rezensionen gar nicht so unähnlich. Abgehackt, fast Telegrammstil. Es sind tausende Details und obwohl ich das Buch in drei Tagen durchgelesen habe, war es keine leichte Lektüre.

Worum geht es in Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart?

Eine junge Frau kehrt in ihre norddeutsche Heimat zurück. Eine Versöhnung mit der Gegend und der Mutter, die im Sterben liegt. Eine Liebeserklärung.
Die Ich-Erzählerin ist zurück im Elternhaus. Schleswig-Holstein: Salzwiesen. Vogelschwärme. Windräder. Die Gegenwart wird zum Stillleben, während die Zeit rückwärtsläuft: Die dominante Mutter, evangelische Pastorin, die Pumps trägt zum Talar. Die von April bis Oktober auf Strümpfe verzichtet. Die heiße Kartoffeln stets mit den bloßen Fingern pellt. Die ihr Kind im Supermarkt vergisst. Die jetzt eine Echthaarperücke trägt und ihre eigene Beerdigung plant. – Wie geht vergeben, wenn nicht mehr viel Zeit bleibt? – Marie-Louise Monrad Møller verbindet Komik und Tragik zu einem außergewöhnlich schönen Debütroman.

Quelle: Verlag

Die Autorin schreibt, wie sie in ihr altes Leben in an die Grenze zu Dänemark zurückgeworfen wird – als Tochter einer dominanten Pastorenmutter und eines Vaters, der sich nicht für die Kinder einsetzt oder als Musiker auf Tournee ist, denn die Mutter ist an Krebs erkrankt, und sie muss genau wie ihre kleine Schwester die Pflege übernehmen. Der Wunsch der Mutter ist Befehl und an den machtdynamischen Strukturen in der Familie hat sich auch nach dem Erwachsenwerden der Kinder nichts geändert.

Romantische Verklärung, Leichtigkeit oder literarisch künstliche Züge sucht man in Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart vergebens. Es ist die harte Realität. Kantig. Vielleicht ist es ein realistisches Buch. Auf jeden Fall beschreibt die Autorin, wie kleine Dinge sie immer wieder in ihre Erinnerungen zurückwerfen. Wie sie versucht, ihre Mutter zu archivieren, ohne dass die es merkt. Wie sie versucht, sie einzuordnen. Dabei ist die Mutter voll und ganz davon überzeugt, dass sie einzigartig und einmalig auf dieser Welt ist. Ist sie Narzisstin? Diese Frage wird im gesamten Buch nicht gestellt.

Wie die Mutter ihre kleine Schwester im Einkaufsladen vergessen hat. Wie sie ihrer Tochter Vorschriften gemacht hat. Wie für sie selbst immer andere Regeln geholfen haben, als für den Rest der Welt und wie sie sich selbst dazwischen zerrissen hat, dem Bild einer beliebten Pastorin zu entsprechen und doch selbst so absolut untypisch für diesen Beruf zu sein. Besonders schlimm war für mich zu lesen, wie die Kinder immer wieder warten – zu früh gebracht, zu spät geholt – und ihr Leben dem der Mutter völlig unterordnen mussten.

Jedes der Kinder muss seine Talente vorführen. Guck mal, was ich für tolle Kinder habe – aber nicht in Worten – nicht in Umarmungen. Schau mal was meine Kinder können – in Taten. Als Statussymbol. Warum hab ich dir den Klavierunterricht bezahlt, wenn du jetzt nicht im Gottesdienst die Orgel spielst? Es ist kein Problem, dass die Mutter Briefe vom Klavierlehrer der Tochter erhält. Der Unterricht wird beendet, weil er diese Briefe mit Kopfhörern und Arien auf dem Kopf schreibt, während er die Tochter unterrichten soll. Was für eine Doppelmoral. Die ganze Kindheit ist davon durchzogen, und die Protagonistin hat sich davon noch nicht erholt.

Der Haupthandlungsstrang von Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart bildet das letzte Jahr des Lebens der Mutter ab: Wie es die Tochter kalt erwischt, als die Diagnose am Telefon in ihrer eigenen neuen städtischen, studentischen Heimat ankommt. Wie sie eigentlich selbst gar nicht weiß, was sie genau will und wer sie eigentlich ist. Sie steckt in einer Beziehung, bei der ich bis zum Ende nicht verstanden habe, was – außer der Macht der Gewohnheit – sie daran hindert, endlich zu gehen. Doch auch in ihrem Elternhaus war eine der wichtigsten Doktrinen „immer nur weitermachen“. Und so pendelt die Tochter ab diesem Zeitpunkt zwischen ihrem Studentenort, dem Wohnort ihres Freundes und dem Wohnort ihrer Eltern.

Es gibt kleine Lichtblicke in dieser Familiendynamik und doch ist der Ton des gesamten Buches dunkel. Ich weiß nicht, ob ich es noch einmal lesen würde. Aber Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart passt in unsere Generation und ich würde mir wünschen, dass vielmehr unsere Eltern dieses Buch lesen und sich darüber Gedanken machen, was sie mit ihrem Verhalten uns gegenüber auslösen. Auch für mich als Eltern ist es eine gute Möglichkeit, mich zu spiegeln und mir zu überlegen, wie ich in gewissen Situationen mit den Menschen in meiner Umgebung und mit meinen Kindern umgehen möchte.

Nur ein Zitat:

„Ich gebe dir die Sonnencreme, wende dir den Rücken zu. Du reibst ihn mir ein. Schnelle, harte Bewegungen. Effektivität. Ich reibe deinen Rücken nicht ein, weil du braun werden willst. Du glaubst mir nicht, dass Sonnencreme das nicht verhindert.“ (Seite 246)

Im gesamten Buch ist das Du die Mutter. Die Tochter ist die ganze Zeit im stummen Monolog. Aber ein Dialog entsteht nicht. Man möchte laut schreien: wie kann das sein? Wo ist die Liebe? Und warum kann man einem erwachsenen Menschen, wenn es der eigene Nachwuchs ist, nicht auch einmal glauben? Warum glauben diese Menschen, sie hätten das Monopol auf Wahrheit gepachtet?

Gleichzeitig beschreibt Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart, was es mit einer Familie macht, wenn jemand an Krebs erkrankt, wie unterschiedlich die verschiedenen Familienglieder damit umgehen. Wie jeder seinen eigenen Weg sucht. Und auch wie alle drei Geschwister sehr unterschiedliche Wege gehen und sehr unterschiedliche Ansätze zeigen, um mit der Art ihrer Eltern klarzukommen.

Da ist die kleine Schwester die vertrauensvoll im Austausch mit ihrer Mutter steht und sie neben ihrem Job aufopferungsvoll pflegt und erst am Ende an wenigen Stellen ein wenig Selbstfürsorge zeigt. An vielen Stellen hat man den Eindruck, sie lebt nur für ihre Mutter und die anderen als Kindergärtnerin. Partner, Freundinnen, eigene Interessen, kein Wort davon in langen Strecken. Dienen.

Da ist der Sohn, homosexuell, Tänzer, der ohne Wissen der Familie drei Jahre Therapie auf sich genommen hat, um die Erfahrungen der Familie zu verarbeiten. Er lebt sein eigenes Leben weiter, kommt nur zu Besuch nach Hause und ist in wenigen Momenten gegenwärtig. Er pflegt nicht und gibt sein Leben auf. Und doch sind die Spuren der Familie auch an ihm zu erkennen. Vielleicht ist tatsächlich die einzige Möglichkeit, mit solchen Erfahrungen klarzukommen: sie verarbeiten, sie abschließen, sich um sich selber kümmern. Doch selbst der Bruder wünscht sich endlich die Anerkennung der Mutter und auch er leidet immer noch. Erst ganz am Ende erkennt die Mutter, dass die sexuelle Orientierung nicht das Wichtigste auf der Welt ist.

Als dritte Rolle ist da die große Schwester, Grund dafür, dass die vorherige Ehe des Vaters endgültig scheiterte, diese Beziehung der Eltern vor 30 Jahren entstand. Sie ist mit Anfang 30 immer noch auf der Suche, während Schulkameraden schon mit Kindern und fertiger Berufsausbildung in ihrem jetzigen Leben wieder auftauchen. Sie versucht als Autorin auf eigenen Beinen zu stehen und zu schauen, wo sie eigentlich im Leben hin will.

So oft sitzt sie vor ihrem weißen Papier. Sie reflektiert unglaublich viel und hat offensichtlich ein Karussell im Kopf und auch sie weiß, wie schwierig es ist abzuschalten, Verletzungen und Emotionen einfach als Kapitel von früher zu sehen, im Hier und Jetzt zu sein und ein neues Leben zu starten. Im Gegensatz zu ihrem Bruder hat sie keine Therapie gemacht und hängt viel in der Vergangenheit fest. Daher wohl auch der Titel: Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart. Sie gibt sich wirklich Mühe, ihre Mutter zu unterstützen und ihre Mutter macht es der gesamten Familie wirklich nicht leicht. Keines der Kinder ist den Eltern letztendlich gut genug. Kritik kommt immer wieder, wobei der Ton sich unterscheidet.

Und der Vater? Der glänzt wie schon in der Kindheit durch Abwesenheit, durch fehlende Unterstützung, wie ein Statist. Er trifft sich mit seiner Exfrau, plant in Dänemark ein Haus zu kaufen, wenn die Mutter nicht mehr da ist. Er hilft nicht mit im Haushalt, ist nicht in der Lage, das einzukaufen, was die Mutter bestellt, und kommt immer mit den falschen Sachen nach Hause, worauf eine der Töchter noch mal losfährt. Er hat nach einem Unfall als Profi-Musiker sein Leben aufgeben müssen, und wartet seitdem darauf, dass die Mutter Zeit für ihn hat, die sie als Pastorin nie hatte, weil immer jemand etwas von ihr wollte.

Und die Mutter hat es gnadenlos an die Familie weitergetragen, schon den Kindern erzählt, wie die Toten des Tages aussahen. Niemals hat sie in ihrer Rolle als Pastorin nein gesagt, niemals ist sie für ihre Familienzeit eingestanden. Zu Hause war sie ausgelaugt, ist explodiert, hat nahezu nie Urlaub gemacht. In wenigen Momenten sieht man die Eltern als Paar, wenn sie auf der Hochzeit als Instanz der Moral und Instanz des lustigen Dänen schöne Momente verbringen. Und auch für die Kinder waren die Hochzeiten das schönste. Ganz am Ende schauen sich alle Hochzeiten im Fernsehen an. An den meisten Stellen versteht man die Verbindung der Eltern ebenso wenig wie die der Tochter und ihres Freundes.

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart schafft es trotz der vordergründigen Struktur dessen, was in der Gegenwart passiert, zu erklären, wie die Menschen so wurden wie sie sind und das lässt sich definitiv nicht nur auf Norddeutsche übertragen. Nur über ihre eigenen Eltern spricht die Mutter kaum. Es klingt negativ, und die große Schwester ist froh, dass sie nur in ihren Geschwistern Ähnlichkeiten zu den toten Großeltern sieht.

Warum das so ist, weiß auch am Ende des Buches niemand. Was hat die Mutter zu ihrer Persönlichkeit gemacht? Welche Erfahrungen haben sie geprägt? Warum ist sie so geworden ist, so hart gegen alle, und sich selbst, so fordernd gegenüber ihrer Familie, so perfekt nach außen wie die Stiefmutter von Schneewittchen und ebenso defekt nach innen? Diese Frage stellt ihr niemand und es reicht in eine Zeit vor der Existenz der Tochter zurück, die Tochter weiß es ganz offensichtlich nicht. Gibt es so etwas in jeder Familie? Die Dinge, die man erst nach Jahrzehnten erfährt oder nie?

Keines der Kinder hasst die Mutter. Keines wendet sich von ihr ab. Noch so ein faszinierender Punkt. Ich kenne viele Menschen, die den Kontakt zu diesem Elternhaus mit 18 Jahren abgebrochen hätten.

Noch eine andere Frage wird bearbeitet: was hat Corona eigentlich mit uns gemacht? Denn zeitgleich mit der Coronapandemie wurde die Mutter diagnostiziert. Während der Freund einerseits aufgrund des Abstands eine offene Beziehung möchte, hat er gleichzeitig so viel Angst, dass er seinen Schreibtisch in der Wohnung fast gar nicht mehr verlässt. Die Dänen dagegen dürfen sich zu zehnt treffen und die Protagonistin selbst hat ebenso wie ihre Geschwister keinen Gedanken an Viren verschwendet, als sie an Parfümproben schnuppert, während eine mittelalte Frau hysterisch die Verantwortungslosigkeit anprangert.

Ganz am Ende, in der dänischen Ferienwohnung – 10 Personen erlaubt – zu Weihnachten, machen die Kinder endlich einmal das, was sie wollen und sie glücklich macht: sie singen zusammen und tanzen. Die Mutter wird endlich mal in ihrem mehrfach geäußerten Bedürfnis nach Ruhe ignoriert. Und selbst dieser Satz fühlt sich in Anbetracht der schweren Diagnose fast falsch an.

Doch nach all den Opfern, die die Kinder machen mussten in ihrem Leben: dürfen sie etwa erst dann frei sein, wenn die Mutter tot ist? Muss die Mutter nicht endlich mal ihre Kinder lieben, ihnen zugestehen, ihre eigenen Interessen zu verfolgen, nicht nur ihr zu dienen? Der Tod der Mutter wird gar nicht mehr beschrieben. Hier endet die Geschichte, wo die Mutter wie ein Embryo unter der Decke des Sofas liegt. Ich glaube, es ist kein Cliffhanger. Ich glaube, es ist der erste Schritt der Kinder in die Freiheit.

Eine einzige Beziehung diesen ganzen Buch würde ich als gesund beschreiben: die Geschwister untereinander. Und sie tragen sich gegenseitig. Das ist das einzige, warum die Familie nicht zerbricht. Auch diese Analyse wird nirgendwo im Buch genannt und ist nur meine Reaktion. Doch wenn die Mutter mit Maltes Onlineticket überfordert ist, bietet die kleine Schwester ihre Hilfe an. Selten macht einer dem anderen Vorwürfe, niemand sagt zu Malte, dass er seine Freiheit aufgeben und pflegen muss.

Die Geschwister kommunizieren untereinander, schon als Kinder war das für sie überlebenswichtig: Die große Schwester hat der kleinen Schwester versucht, dabei zu helfen, die Nächte ohne die Mutter zu überstehen. Und dann die Bewertung der Menschen: die perfekten Landfrauen heißen Piccobellofrauen. Sie haben die Kleine dann ins Bett gebracht. Es sind so viele Punkte und ich weigere mich, das Verhalten der Mutter mit der Abwesenheit des Vaters durch dessen Beruf zu rechtfertigen. Es sind zu viele kleine Details.

Sie ist so oft über die Grenzen der Kinder hinweggegangen – hat von Ihnen gefordert, was sie nicht leisten konnten. In einer Situation flehen die Kinder die Mutter an, aus dem verschlossenen Bad zu kommen, weil sie Angst haben, dass sie sich etwas antun könnte. Als das Kerzenwachs der großen Tochter über den Kopf lief, weil die falschen Kerzen auf dem Kranz steckten, hätte die Mutter erwartet, dass die Tochter einfach weitergeht und den Schmerz weiter erträgt. Sie macht mich so wütend. Nach außen war sie so perfekt. Aber ihren Kindern ist keiner zu Hilfe gekommen, weil niemand wusste, wie sie zu Hause wirklich war. Wie oft kommt das vor? Wie viele der Menschen in unserer Umgebung haben dasselbe erlebt?

Und dann habe ich mich bei der Frage ertappt: wenn sie ihr Leben so sehr gehasst hat, dieses ständig verfügbar sein, warum hat sie dann nichts daran geändert? War ihr Job für die Familie so wichtig, war sie Hauptverdienerin? Hatte sie keine Chance? War sie einsam? Wie einsam war sie? Diese beiden Fragen stellt die Tochter sich tatsächlich in ihrem Monolog. Warum hat sie nicht das gemacht was sie wollte, warum war sie Pastorin?

Welche Pastorin sagt schon insgeheim zu ihren Kindern, wenn ich nicht selber Pastorin wäre, wäre ich schon längst aus der Kirche ausgetreten. Während die Leute zu ihr sagten, dass sie ein Grund wäre, wieder einzutreten. Warum hat sie sich ihren roten Mercedes nicht schon als Pastorin gekauft, erst in der Rente, was sollen die Leute denken. Stöckelschuhe war interessanterweise okay. Sie war immer so schick. Es gibt da dieses Lied: lass die Leute reden, solange die Leute reden, machen sie nichts Schlimmeres … und Löcher in der Hose und immer dieser Lärm … und du warst so ein liebes Kind … Du warst so süß.

Ich hasse es, diesen Anspruch der Gesellschaft auf Gleichklang. Dieses angepasst sein. Dieses beurteilen. Diese Doppelmoral. Wir waren so weit! Jetzt sind wir mit Vollgas auf dem Weg zurück in die Fünfzigerjahre. Oder in die dreißiger, wenn man die Wahlergebnisse anschaut. Ist es wirklich der Job einer Frau, perfekt zu sein? Immer lächeln, immer freundlich. Unbedingt immer Ja sagen. Zu Hause wie im Job.

Hört euch mal den Text der Frau im Barbie-Film über die unmöglichen Anforderungen an Frauen an. Sind Kinder in unserer Gesellschaft nur dafür da, süße Statussymbole zu sein? Sind Sie nur ein Projekt auf einer Checkliste, das abgehakt werden soll? Und warum lässt sich der Vater wie ein Macho oder Pascha bedienen? Auf eine derartig unmachohafte Art, dass keiner ihn dazu verdonnert endlich mal mitzuhelfen. Die Tochter versucht es, aber kommt dagegen auch nicht an. Und die Mutter lässt sich von ihren Kindern wie eine Diva pflegen.

Meine Überlegungen werden im gesamten Buch nicht gestellt. Ich frage mich, ob die Autorin beziehungsweise die Protagonistin nie auf diese Gedanken gekommen ist – warum keines dieser Kinder rebelliert hat. Vielleicht dezent und leise, so könnte man Malte als rebellisch bezeichnen, dass er dabei geblieben ist, zu entscheiden, wen er liebt und dass er tanzt. Aber eine laute Rebellion wäre wahrscheinlich mit einem Verstoß aus der Familie gleich gekommen.

Ein Buch, das nachdenklich macht und selbst die Frage an den Leser stellt, ohne sie explizit zu formulieren. Was würdest du tun? Wie willst du leben? Was für eine Beziehung willst du zu deinen Eltern, zu deinen Kindern, zu deinen Nachbarn, deinem Dorf, deinem Land, deiner Welt? Die treffendste Frage in dem Zusammenhang steht in der Einleitung: wie geht vergeben, wenn nicht mehr viel Zeit bleibt? Eine wirkliche Antwort findet sich nicht. Aber viele offene Fragen.

So richtig verarbeitet habe ich das noch nicht alles. Ich werde sicher in der einen oder anderen Situation an Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart zurückdenken.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Literaturtest und den Verlag!

Titel: Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart
Autor*in: Marie-Louise Monrad Møller
Übersetzung:
Reihe/Band:
Verlag/Plattform: Kanon Verlag
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Roman, Familie, Traumabewältigung, Krankheit

Preis: 23,00 € (Hier geht’s zu Genialokal.)
ISBN: 978-3-98568-206-5
Erschienen: 17.03.26
gelesenes Format: Hardcover, auch als eBook erhältlich
Umfang: 288 Seiten

Was darf ich anderen zumuten? Wie kann ich meine Bedürfnisse formulieren? Welche Rolle nehme ich in der Familie ein? Was braucht es, um als vollwertig wahrgenommen zu werden, wenn bedingungslose Liebe nicht zu haben ist? Marie-Louise Monrad Møller schreibt von Gefühlen an der Trennlinie von Innen und Außen – mal brechen sie aus, mal werden sie weggesperrt. […] Eindeutige Antworten gibt uns das Leben selten. Wir können lediglich ehrlich hinschauen, beobachten, nachfühlen. Und genau das tut Marie-Louise Monrad Møller in ihrem Debütroman. Ein rasanter und zugleich behutsamer Text, zwischen Poesie und Nüchternheit pendelnd.

Hier könnte deine Meinung stehen!

Du hast dieses Buch auch rezensiert oder möchtest ein paar Zeilen darüber schreiben? Per E-Mail oder als Kommentar unter diesem Beitrag kannst du mir deine kurze Meinung oder den Link zu deiner Rezension zukommen lassen. Ich füge sie dann an dieser Stelle hinzu. Nicht vergessen: Deinen Link zum Blog oder Social-Media-Profil, damit meine Leser*innen dich finden können, wenn sie mehr von dir lesen wollen!

Unsere Meinungen zum Buch dürfen sich gern widersprechen! Bitte achte darauf, nicht nur den Klappentext zu kopieren.

Diese Abbildung zeigt das Cover des Buches Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart. Es schwebt mittig vor einem Fotohintergrund, der verschwommen einen bewölkten Sandstrand mit leicht bewachsenen Dünen andeutet.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert