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Rezension: Vows and Ruins. Die Legenden von Thezmarr 2 | Helen Scheuerer

etwa 9 Minuten Lesezeit

Der erste Band Blood and Steel hat mich total vom Hocker gehauen. Dieser zweite Teil der vierbändigen Reihe fällt für mich leider etwas schwächer aus, wie es so oft mit zweiten Bänden ist. Das liegt in diesem Fall an zwei Dingen, die beide stark mit der Handlung zusammenhängen. Trotzdem ist Vows and Ruins insgesamt wieder ein richtig gutes Buch, größtenteils genau nach meinem Geschmack.

Worum geht es in Vows and Ruins?

Altheas Welt wird auf den Kopf gestellt, als sie herausfindet, dass sie magische Kräfte hat. Jetzt muss sie nicht nur noch härter trainieren, um eine wahre Kriegerin von Thezmarr zu werden, sie muss sich auch der Wahrheit stellen – über ihre Familie, ihre Magie und das Böse, das die Königreiche zu verschlingen droht.

Als Wilder Hawthorne offiziell Altheas Mentor wird, ändert sich alles. Denn er schreckt vor nichts zurück, um sie auf das vorzubereiten, was ihnen bevorsteht. Selbst wenn das bedeutet, sie zu brechen. Während ihr gemeinsamer Weg sie in immer größere Gefahren führt, wächst auch die unleugbare Anziehung zwischen ihnen. Krieg droht, und Althea und Wilder ringen darum, die Welt zu retten – und einander. Können sie siegreich aus dieser Schlacht hervorgehen, oder wird die Dunkelheit sie beide verschlingen?

Quelle: Verlag

Positives

Der Schreibstil ist weiterhin super, sodass ich beim Lesen geradezu durch die fast 550 Seiten geflogen bin und Vows and Ruins nach 2 Tagen durch hatte. Die Autorin und auch die beiden Übersetzerinnen beherrschen ihr Handwerk sehr gut.
Auch die Charaktere machen mir weiterhin großen Spaß: Nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die Nebencharaktere wachsen mir zunehmend ans Herz. Und die Charaktere, die man eindeutig nicht mögen soll, bleiben ihren negativen Merkmalen treu. Thea wächst an ihren Aufgaben und der neuen Verantwortung.
Die Welt wird in Vows and Ruins nach und nach größer und die politischen Verflechtungen komplizierter, während sich die mit der Prophezeiung verbundene Vergangenheit langsam offenbart.

So weit, so gut – richtig gut.

„Spicy Romantasy“

Was mir in Vows and Ruins dagegen weniger Spaß gemacht hat als im ersten Band: Die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren Thea und Wilder. Sie springen bei jeder Gelegenheit ins Bett – wenn sie keines finden können, dann werden sie kreativ – und in den gemeinsamen Momenten, in denen sie das nicht tun können, fallen sie zumindest in Gedanken übereinander her. Das nahm für mich einfach zu viel Raum ein. Wie soll ich als Leserin denn die angeblich so tiefe emotionale Bindung zwischen den beiden nachvollziehen können, wenn sich alles mit nur sehr wenigen Ausnahmen rein körperlich abspielt?

Du hast dich verletzt und mir nicht Bescheid gesagt? Lass uns in einer Besenkammer übereinander herfallen, um uns lebendig zu fühlen, obwohl du Schmerzen hast. Morgen ist ein wichtiger Kampf, für den wir ausgeruht sein sollten? Lass uns die ganze Nacht wach bleiben und Sex haben, bis die Sonne aufgeht, sodass wir absolut nicht genug Schlaf bekommen, was aber nie erwähnt wird oder irgendwelche Konsequenzen hätte. Wir haben eine Woche nicht miteinander geredet, weil wir jeweils unseren eigenen emotionalen Ballast verarbeiten mussten? Sobald wir einander wiedersehen, müssen wir unserem aufgestauten Begehren nachgeben.

Es ist einfach an einigen Stellen so überflüssig! Im letzten Drittel von Vows and Ruins habe ich deshalb einige solcher Szenen wirklich nur noch überflogen, auf der Suche nach inhaltlich wichtigen Dialogfetzen, oder sogar ganz übersprungen.

Viel besser gefallen mir die Momente, in denen Wilder nicht nur in inneren Monologen, sondern auch vor ihren Freunden ihre Beziehung zu akzeptieren beginnt oder Thea schlichte körperliche Nähe und Geborgenheit bei Wilder sucht. Leider scheint der Fokus mehr auf den explizit und detailliert beschriebenen Sexszenen zu liegen, die dann aber insgesamt sehr zahm bleiben und repetitiv werden. Kein Wunder, dass diese Reihe es in die BookTok Trends geschafft hat.

In meiner Rezension zu Band 1 habe ich kritisiert, dass das Buch als Spicy Romantasy beworben wird, weil die dazugehörigen Szenen größtenteils fehlten und es sich dadurch ein bisschen wie fehlgeleitetes Trendmarketing anfühlte. Gleichzeitig habe ich betont, dass mir Blood and Steel gerade durch dieses „Will they, won’t they?“ zwischen Thea und Wilder und die dadurch aufrecht erhaltene Spannung so gut gefällt. Vows and Ruins passt nun sehr viel besser in die Kategorie Spicy Romantasy (obwohl sich „spicy“ eher mild ausdrückt) – leider zu meinem Nachteil.

Kein roter Faden mehr erkennbar

Der zweite Grund, aus dem mir die Handlung in Vows and Ruins nicht so gut gefällt wie in Blood and Steel, ist die Undurchsichtigkeit. Die zunehmend komplizierten politischen Verstrickungen habe ich oben ja schon erwähnt. Das ist eigentlich etwas Gutes, denn es gehört für mich zu einem Fantasyroman wie diesem dazu, besonders bei Themen wie Krieg zwischen verschiedenen Völkern. Doch während Blood and Steel noch einen klaren Fahrplan hatte, wohin die Reise gehen würde und welche Ziele die einzelnen Charaktere verfolgen, verliert Vows and Ruins diesen roten Faden etwas.

Die teilweise sehr überraschenden Wendungen gefallen mir genauso gut wie die zunehmend offenbarten Facetten der Persönlichkeiten unserer Helden. Aber leider gerät die Handlung dadurch etwas ins Schwimmen. Manches lässt sich schon in Band 1 erahnen, wodurch einzelne Entwicklungen und Veränderungen absolut Sinn ergeben. Doch anderes kommt total aus dem Nichts und wirft in Vows and Ruins Dinge über den Haufen, die bisher als feststehende Tatsachen behandelt wurden, ohne dabei einen Ausblick darauf zu bieten, was diese Veränderung nun für die Geschichte bedeutet.

Das ist, neben den viel zu häufigen Sexszenen, mein Hauptproblem mit dieser eigentlich guten Fortsetzung: Die Figuren hangeln sich über Missionen und Kämpfe hin zu einem Ziel, das sich nicht mehr richtig erkennen lässt. Klar, die Menschen wollen ihre Königreiche vor den Dämonen und Halbdämonen schützen, aber was will die Gegenseite, deren Perspektive wir zwischendurch auch mal kurz – sehr oberflächlich – einnehmen? Was ist eigentlich der Grund für diesen Krieg?

Als Leserin weiß ich nicht mehr so recht, worum es in dieser Reihe eigentlich geht. Nicht nur fehlt der rote Faden, sondern die wenigen „Richtungsweiser“, wenn man so will, gehen auch noch zwischen den spicy Szenen in Vows and Ruins unter. Es ist klar, dass dies keine reine Gut-gegen-Böse-Geschichte ist, und dass beide Seiten vielschichtig aufgebaut sind. Leider bekommen wir in diesem Band keinen richtigen Einblick in diese Schichten.

Dadurch verliert Vows and Ruins für mich etwas an Spannung. Ich lese gern über die Abenteuer der Hauptfiguren und verfolge interessiert die Entwicklung der jeweiligen Beziehungen, der Freund- und Feindschaften. Aber mit zunehmender Undurchsichtigkeit über das Ziel dieser Reisen und Entwicklungen baut sich für mich eine Distanz auf, die es mir nicht erlaubt, mich so richtig in die Geschichte fallen zu lassen.

Ich hoffe, dass der rote Faden oder zumindest das große Ziel in den beiden noch kommenden Bänden Fate and Furies (erscheint auf deutsch im Februar 2026) und Shadow and Storms (Mai 2026) wieder etwas deutlicher zu erkennen ist.

Weiterlesen möchte ich diese Reihe auf jeden Fall.

Das Cover

Abschließend ein kleiner Exkurs über das Coverdesign, das mir schon bei Blood and Steel nicht gefallen hat und mich auch bei Vows and Ruins wieder stört: Obwohl ich bei näherer Betrachtung der ganzen Reihe mag, dass anhand der Schwerter auf den Titelbildern der einzelnen Bände Theas Entwicklung als Kämpferin und als Wächterin erkennbar ist – das Konzept also einen deutlichen Bezug zum Inhalt hat – wirken die Umsetzung mit den Farbwirbeln und das Design insgesamt auf mich trotzdem irgendwie unfertig, unpassend und uninteressant.

Ich bin mir nicht sicher, ob das daran liegt, dass das Verlagslogo nicht auf dem Cover abgebildet ist und dadurch der Eindruck eines Selfpublishing-Titels entsteht (was, nur um das klarzustellen, nichts Schlechtes ist, sondern schlicht etwas anderes als das, was ich von Verlagstiteln erwarte). Ob es an den intensiven Farben liegt, die so gar nicht zu der mittelalterlichen Welt und den praktisch veranlagten Krieger*innen passen wollen, oder daran, dass der Dolchgriff auf dem Cover von Blood and Steel wie billiges Plastik und das Metall von Dolch, Schilden und Schwertern (mit Ausnahme der Schwerter vom vierten Band) durch den stumpfen Glanz wie silbern angemaltes Holz wirkt.

Ob ich zuletzt einfach zu viele Fantasy-Romane mit Schwertern und Schnörkeln auf dem Cover gesehen und dieses ausgelutschte, nichtssagende Motiv satt habe, zumal bis auf die Gegenstände und den Titelschriftzug nichts auf dem Cover irgendwie zur Geschichte passt.

Woran es auch liegen mag: Wenn es keinen extra Newsletter von NetGalley für den ersten Band gegeben hätte und der Klappentext von Blood and Steel mich nicht angesprochen hätte, dann wäre diese Reihe allein aufgrund seines Äußeren garantiert an mir vorbeigegangen – obwohl sie inhaltlich doch so gut meinen Geschmack trifft.

Der Blick ins Impressum von Vows and Ruins zeigt übrigens, dass das Originaldesign von Maria Spada stammt und dass die Agentur Guter Punkt, deren Arbeit ich bisher sehr positiv wahrgenommen habe, mit der Anpassung für die deutsche Ausgabe beauftragt wurde.

Eine kurze Recherche offenbart: Auch die anderen Buchcover der Künstlerin gefallen mir nicht so gut. Es ist ein Einheitsbrei mit einigen sehr schönen Designs, aber insgesamt sehr nichtssagend und mit vielen wiederholten Motiven in minimaler Abwandlung. Im Vergleich mit ihrem restlichen Portfolio ist dieses Cover eines der – meiner Meinung nach – schwächeren. Guter Punkt hat nur die Schriften übersetzt und angepasst, soweit ich es beurteilen kann.

Ich verstehe, dass man einem Buch, das im Original – mit dem Originalcover – in visuellen Medien wie TikTok Bekanntheit erlangt hat, in der Übersetzung nur ungern ein neues Cover zuordnet. Meiner Meinung nach passt es einfach nicht zum Buch – bzw. zur ganzen Reihe – und für mich wird es diesem in seiner Qualität auch nicht gerecht.

Aus welchem Grund das Droemer Knaur Verlagsimprint Bramble außerdem sein Logo auf all seinen Büchern nur auf dem Buchrücken, nicht aber auf dem Cover sehen will, das ja insbesondere auf TikTok und Instagram – wo sich die Hauptzielgruppe von Bramble aufhält – genau der Teil des Buches ist, der in die Kamera gehalten wird und dem Zielpublikum dadurch erlauben würde, den Bezug zum Verlag herzustellen: Das würde mich sehr interessieren.

Vielen Dank an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Titel: Vows and Ruins
Autor*in: Helen Scheuerer
Übersetzung: Jasmine Hofmann, Marion Herbert
Reihe/Band: Die Legenden von Thezmarr 2
Verlag: Bramble von Droemer Knaur
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Fantasy, Dämonen, Magie, slow burn, found family, forbidden love, forced proximity, who did this to you?, ab 16 Jahren

Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-426-56689-3
Erschienen: 01.10.2025
gelesenes Format: eBook, auch als Hörbuch und Paperback erhältlich
Umfang: 496 Seiten
Besonderheit: Karte und Charakterillustration im Buchdeckel, Farbschnitt beim Paperback

Sehr gut gezeichnete Charaktere, die man als Leser schon gut kannte, ein angenehm zu lesender Stil der Autorin sowie eine Handlung, die einerseits spannend, fantasievoll und auch magisch gehalten ist, in der es mir aber leider doch ein wenig zu viel Spice gegeben hat, haben mir dennoch aber unterhaltsame Lesestunden beschert.

He was constantly keeping Thea in the dark which meant their relationship was stifled and I just wasn’t a fan. Between Wilder doing that and Thea’s unending grudge, I just didn’t enjoy their relationship as much as in book 1. […] When I say the plot of this book was damn good, I mean it. I didn’t need the romance and spice from book 1 to keep me hooked on this book. The story did that, itself.

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Diese Abbildung zeigt eine 3D-Ansicht des Buches Vows and Ruins von Helen Scheuerer vor einem Hintergrund. Der Hintergrund besteht aus einem nebligen Wald, der schräg von oben fotografiert wurde, sodass verschiedene Ebenen entstehen. Das Hintergrundbild wurde leicht eingefärbt, sodass es insgesamt sehr blau und kalt wirkt, wie ein nebelverhangener Nadelwald im November. Davon hebt sich das Buch mit seinen Brauntönen gut ab. Das Cover selbst zeigt zwei senkrecht gekreuzte Schwerter, vor denen der Titel die gesamte untere Hälfte des Covers einnimmt.

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