Zum Inhalt springen

Rezension: We hunt the Flame. Die Reiche von Arawiya 1 | Hafsah Faizal

etwa 8 Minuten Lesezeit

Epische Fantasy, ein magisches Abenteuer, Slow Burn Romance und das Ganze in einer Welt, die von der arabischen Kultur inspiriert ist? Sign me up! Leider habe ich wirklich sehr viel Geduld gebraucht, um bei We hunt the Flame am Ball zu bleiben, und richtig überzeugen konnte mich die Story auch nicht.

Worum geht es in We hunt the Flame?

Sie ist eine tödliche Jägerin, er der Prinz des Todes: Menschen lebten, weil sie tötete. Menschen starben, weil er lebte. Die Jägerin Zafira kann nur als Mann verkleidet im verfluchten Wald des Arz ihr Volk beschützen. Wird sie als Frau entlarvt, droht ihr Verbannung oder Schlimmeres. Als Prinz des Todes ist es Nasirs Aufgabe, alle zu vernichten, die töricht genug sind, sich seinem tyrannischen Vater zu widersetzen. Niemals darf er Mitgefühl zeigen, denn sonst wird er selbst zum Opfer des grausamen Königs.

Gegen ihren Willen sind Zafira und Nasir Legenden im Königreich Arawiya. Als sich ein Krieg zusammenbraut und der Arz mit jedem Tag näher rückt und das Land in Schatten hüllt, bricht Zafira zu einer gefahrvollen Suche auf. Ein verlorenes Artefakt könnte den Fluch des Arz brechen. Doch auch Nasir wird auf eine ganz ähnliche Mission geschickt. Sein Auftrag: das Artefakt finden – und Zafira töten.

Quelle: Verlag

Wie bei vielen charakterbasierten Geschichten beginnt die Handlung von We hunt the Flame langsam, mit dem alltäglichen Leben der Figuren, die wir kennenlernen sollen. Aber es häuften sich zunehmend Charaktere (besonders Nasirs „bester Feind“ Altair hat es mir angetan) mit leider nur oberflächlichen Hintergrundgeschichten, während einfach noch nichts passiert ist. Ich war zwischendurch ziemlich verwirrt, dass ich schon fast die Hälfte des Buches erreicht hatte, ohne, dass sich wirklich etwas Nennenswertes abgespielt hätte. Und auch die zweite Hälfte war echt zäh, obwohl es dann hoch her ging und eine Actionszene auf die nächste folgte.

Das Worldbuilding ist einerseits gut, mit poetischer Sprache geschrieben, sodass ich beim Lesen und auch jetzt noch beim Schreiben der Rezension Bilder von einigen Stellen vor Augen habe, als hätte ich eine Filmszene gesehen. Es hat mir auch ganz gut gefallen, dass manche Aspekte der Welt erst nach und nach ans Licht kommen.

Ich hatte allerdings große Schwierigkeiten dabei, dem Inhalt zu folgen, weil meine Gedanken aufgrund des langsamen Tempos und des manchmal umständlichen Schreibstils so oft abschweiften. Ich bin mehrfach einige Seiten zurückgesprungen, um eine Szene oder in einem Fall sogar ein ganzes Kapitel noch einmal zu lesen, weil ich nicht mehr wusste, wie die Figuren in eine Situation geraten waren oder wer gerade anwesend ist. Ich hatte also Bilder im Kopf, besonders im letzten Teil auf der eigentümlichen Insel Sharr, aber wer warum wo war und wer wie was aus welchen Gründen tat, das ist irgendwie undurchsichtig geblieben.

Gut gefallen hat mir, dass bestimmte arabische Begriffe und Namen aus dem Original erhalten blieben, also nicht übersetzt wurden, und man diese, wenn man wollte, im Glossar nachschlagen musste (das war beim eBook natürlich etwas umständlich, aber anhand des Inhaltsverzeichnisses möglich). Wenn man das aber nicht prüfen wollte, konnte man trotzdem alles aus dem Zusammenhang interpretieren. Auch die feministischen Ansätze, mit denen Zafira und ihr Familien- und Freundeskreis das frauenverachtende System ihres Kalifats nicht nur hinterfragen, sondern auch heimlich dagegen angehen, hat mir gefallen. Da hätte es meiner Meinung nach noch mehr geben können als nur Zafiras geheime Identität als Jägerin und die damit zusammenhängenden Szenen, in denen ihr zum Beispiel Unterstützung und Respekt ausgesprochen werden.

Außerdem wurde We hunt the Flame zwar als Slow Burn Romance und mit dem Schlagwort Enemies to Lovers beworben, aber die Liebesgeschichte spielt eigentlich überhaupt keine Rolle. Ja, Zafira und Nasir entwickeln schon sehr früh Interesse aneinander, geben diesem jedoch kaum bis gar nicht nach. Was für mich den Reiz bei Slow Burn ausmacht, ist eine ständig präsente unterschwellige Spannung, die mit der Zeit zunimmt, und die Frage, wann wohl jemand den ersten Schritt unternimmt, und wer das sein wird. Hier habe ich mich stattdessen gefragt, ob da überhaupt ernsthaftes Interesse besteht, das über Freundschaft oder Neugier hinausgeht.

Das ist ja auch erst einmal nichts Schlechtes, nicht jeder Roman und nicht jede Fantasy braucht unbedingt eine Liebesgeschichte. Ich habe aufgrund des Marketings einfach etwas anderes erwartet.

Apropos Erwartungen. Von einem Buch, das laut Verlag vom Times Magazine auf die Liste der „100 besten Fantasy-Bücher aller Zeiten“ gesetzt wurde, habe ich mehr erwartet. Ja, die Sprache ist poetisch, die Welt recht interessant und die Charaktere sind ein Paradebeispiel für Persönlichkeitsentwicklung. Aber es hätten mehr Details sein müssen, mehr spannende Handlungselemente und irgendwie auch mehr Story, um mich mitreißen zu können. Dass man erst 50-65 Prozent des Buches durchhalten muss, bevor es annähernd spannend wird, macht es mir sehr schwer, We hunt the Flame zu mögen.

Ich habe We hunt the Flame innerhalb von etwa eineinhalb Wochen gelesen, habe mich oft abends motivieren müssen, noch einmal ein paar Kapitel zu lesen. Zwischendurch habe ich ein anderes komplettes Buch innerhalb weniger Stunden inhaliert, weil dort die Handlung einfach schneller voranging und es dadurch sehr viel einfacher war, konzentriert und interessiert zu bleiben. In diesem direkten Vergleich steht We hunt the Flame wirklich nicht besonders gut da, allerdings sind diese beiden Bücher inhaltlich völlig verschieden (das andere war Urban Fantasy). Deshalb stelle ich diesen Vergleich ausschließlich in Bezug auf den Schreibstil an.

Gegen Ende gibt es Andeutungen, dass sich die Fortsetzung, mit dem diese Dilogie abgeschlossen wird, mehr mit Altair und vielleicht mit Zafiras bester Freundin beschäftigen wird – ob als Paar oder separat wird nicht benannt, das ist hier nur meine Interpretation. Aus dem Klappentext zu Band 2 geht allerdings nichts dergleichen hervor.

Fazit

So oder so, ich werde die Fortsetzung sehr wahrscheinlich nicht lesen. Ich habe mich auf die arabisch inspirierte Welt gefreut und mir hat gefallen, dass es mal nicht um Werwölfe und Vampire geht, sondern es stattdessen beispielsweise Ifrits gibt und diese nicht romantisiert, sondern als Monster behandelt werden, die sie sind. Aber dass das Buch so langsam und zäh ist, dass so wenig passiert und es so lange dauert, bis die Handlung auch nur im Geringsten in Gang kommt, lässt mich leider eher negativ auf We hunt the Flame zurückblicken.

Vielen Dank an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Titel: We hunt the Flame
Autor*in: Hafsah Faizal
Übersetzung: Bastian Ludwig
Reihe/Band: 1 von 2
Verlag: Knaur eBook
Gerne/Themen/Tropes/Altersempfehlung: Young Adult, Fantasy, Magie, arabische Inspiration, Slow Burn, Enemies to Lovers, ab 14

Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-426-44957-8
Erschienen: 02.12.2024
gelesenes Format: eBook, auch gebunden und als Hörbuch erhältlich
Umfang: 544 Seiten

Christel Scheja auf phantastiknews.de

„Sie schafft es so wortreich wie ein orientalischer Geschichten-Erzähler, die arabisch angehauchten Schauplätze zum Leben zu erwecken und nimmt sich mit alltäglichen Momenten genau die Zeit, die sie braucht, um Charaktere und Kultur einzuführen. […] Das führt allerdings auch dazu, dass die Handlung eher langsam in Gang kommt und die Aufmerksamkeit des Lesers fordert, um auch alles mitzubekommen. Die Geschichte wird zum Ende hin immerhin etwas rasanter und endet natürlich mit einem Cliffhanger, aber alles in allem muss man doch einiges an Geduld mitbringen, um sie wirklich genießen zu können.“

„We hunt the Flame hat sehr viel Potenzial für eine spannende Fantasygeschichte im orientalischen Setting, das nur teilweise genutzt wurde. Das Worldbuilding und die Charaktere (Protagonisten wie Nebenfiguren!) waren sehr bildhaft geschildert, die Handlung war leider ziemlich langatmig und am Ende wurden alle spannenden Twists auf einmal ausgeschüttet. „

Hier könnte deine Meinung stehen!

Du hast dieses Buch auch rezensiert oder möchtest ein paar Zeilen darüber schreiben? Per E-Mail oder als Kommentar unter diesem Beitrag kannst du mir deine kurze Meinung oder den Link zu deiner Rezension zukommen lassen. Ich füge sie dann an dieser Stelle hinzu. Nicht vergessen: Deinen Link zum Blog oder Social-Media-Profil, damit meine Leser*innen dich finden können, wenn sie mehr von dir lesen wollen!

Unsere Meinungen zum Buch dürfen sich gern widersprechen! Bitte achte darauf, nicht nur den Klappentext zu kopieren.

Diese Abbildung zeigt das Cover des Buches We hunt the Flame von Hafsah Faizal vor einem Hintergrundfoto. Dieses zeigt den Blick von einem Hügel auf ein karg bewachsenes Tal in der Morgensonne. Im Vordergrund sind kahle und leicht begrünte Büsche, helles Gras und einzelne Kakteen zu erkennen. Das Buchcover ist links im Bild.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert