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War and Peas. Von Hexen und Menschen | Elizabeth Pich und Jonathan Kunz | Rezension

War and Peas. Von Hexen und Menschen Rezension Buchcover

War and Peas: Wer ist das eigentlich?

Hinter dem extrem erfolgreichen Instagram-Account War and Peas stehen zwei Personen: Elizabeth Pich und Jonathan Kunz aus Saarbrücken. Die beiden haben sich an einer deutschen Kunsthochschule kennengelernt und irgendwann beschlossen, zusammen Cartoons zu machen. Weil Pich in den USA aufgewachsen ist und sich deshalb humortechnisch in der Sprache einfach wohler fühlt, sind die Originale auf Englisch – was, wie ich finde, perfekt zum dargestellten Humor passt: manche Witze funktionieren auf Englisch einfach besser – und ermöglichten so einem größeren Publikum den Zugang zu ihren Werken. Deshalb wurde Von Hexen und Menschen auch zuerst in den USA veröffentlicht, bevor es jetzt im Sommer endlich auf dem deutschen Buchmarkt erschien. Das ist ziemlich ungewöhnlich, da die Künstler ja beide in Deutschland leben – der Umweg über die USA ist nicht der Regelfall.

Der Panini Verlag hat für seine YouTube-Videoreihe Panini Comics TV übrigens ein ganz kurzes Interview mit Elizabeth Pich geführt, in dem sie über den Zeichenstil spricht, über den Namen War and Peas und über die Entscheidung, die Cartoons auf Englisch ins Internet zu stellen. Ich finde es sehenswert.

Richtig schön morbider schwarzer Humor

Ich bin ein Mensch, der sehr viel Sarkasmus und Ironie verwendet. Ich mag Menschen, die das auch tun. Ich mag auch schwarzen Humor sehr gern, trockene (Wort-) Witze, Selbstironie, Cartoons wie diese, die keine Angst davor haben, eine Alltagssituation auszusprechen, wie sie ist, und dabei doch noch genug Witz und Humor mitbringen, dass man dieses bittersüße Gefühl von „ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“ bekommt. Panini schreibt auf der Infoseite zum Buch „Satirisch überspitzte Alltagsgeschichten treffen auf tiefschwarzen Humor“ und ich finde, das trifft es sehr gut. Es fällt mir schwer, genau zu erklären, was für mich diesen schwarzen Humor ausmacht, ohne alles zu verraten. Deshalb binde ich hier zwei Cartoons ein, damit ihr euch selbst ein Bild davon machen könnt.

Wie ich oben schon beschrieben hatte, gibt es nicht nur schlicht witzige Szenarien, sondern es werden auch Alltagsprobleme aufgegriffen. Zum Beispiel gibt es einen Cartoon, in dem die Schlampenhexe (eine wiederkehrende Figur und nein, den Namen habe ich mir nicht ausgedacht) einer Freundin von ihrem neuen Liebhaber erzählt – einem Vampir – und beschreibt, dass er ziemlich gut im Bett sei. Zumindest bis sie ihre Tage bekommt, dann werde es komisch. So wird ein real existierendes Problem (Sex nur ohne Menstruation, weil Blut ist ja eklig und wie können Frauen nur) in Humor verpackt. Generell gibt es einige Cartoons, die Feminismus aufgreifen. Alle auf eine überdrehte und morbide Art und Weise, aber doch mit einem Hauch Realismus.

Schlichter Zeichenstil, wiederkehrende Figuren und gute Qualität

War and Peas zeichnet sich durch einen einfachen Stil aus: klare Outlines, sanfte Farben und abstrahierte Figuren. Es ist ein schlichter Stil, der sich gerade wegen seiner Schlichtheit gut variieren lässt und sowohl für übernatürliche Szenerien mit der Schlampenhexe oder dem Tod als auch für den Roboter, der Gefühle hat, oder den Geist eines toten Jungen, der als Gespenst mit roter Kappe auftaucht, gut einsetzbar ist.

Diese wiederkehrenden Charaktere erhalten durch die Cartoons ihre ganz eigene Geschichte: Während viele Cartoons stand-alones sind, bilden diese einen gewissen Rahmen für das Buch und entwerfen eine Art Chronologie. Wir sehen zum Beispiel, wie sich der Roboter weiterentwickelt (oder eher weiterentwickelt wird) und neue Module bekommt, wie der Tod einen Hund adoptiert und später wieder abgibt, wie der Geist des Jungen sich entwickelt. Hier muss ich dem zustimmen, was der Panini Verlag auf der Infoseite zum Buch schreibt: er sagt, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Cartoons seien im Internet weniger fassbar als in der gedruckten Version, und das ist absolut richtig. Schon allein durch das Format, das Instagram vorgibt, ist es schwer möglich, die entsprechenden Storylines chronologisch darzustellen. (Klar, durch Storys ginge das irgendwie, aber das ist nicht das Format, für die diese Cartoons gedacht sind.) Es gehört viel Scrollen dazu, den nächstältesten Cartoon zu einer bestimmten Figur zu finden. Dieses Buch vereinfacht das enorm, obwohl auch hier die einzelnen Geschichten nicht direkt am Stück erzählt werden.

Das Buch selbst ist hochwertig produziert worden. Das Hardcover ist in quadratischem Format und liegt auch aufgeschlagen gut in der Hand. Die Comicstrips (es sind meist vier Bilder, die einen Cartoon ergeben) sind gut platziert und entfalten ihre volle Wirkung durch den Weißraum drum herum. Die meisten Cartoons haben ihre vier Panels auf einer Seite, einige nehmen jedoch als eine Art Querstreifen eine ganze Doppelseite ein. Hierbei ist meist im letzten Panel die Pointe versteckt, und durch die breitere Gestaltung fällt das Auge nicht sofort darauf und nimmt den Witz vorweg. Eigentlich ist das also ziemlich clever gemacht. Wie der Rest des Buches auch.

Positiv

  • herrlich morbider Humor
  • ansprechender, simpler Zeichenstil
  • qualitativ hochwertiges Buch
  • wechselnde Motive und Themen, aber wiederkehrende Figuren wie der Roboter mit Gefühlen oder der Tod

Negativ

  • Ganz ehrlich, wirklich negativ ist mir gar nichts aufgefallen. Ich könnte mich jetzt beschweren, dass es nur 160 Seiten sind, aber für ein Buch wie dieses – Comics, kein Fließtext – ist das völlig okay. Wer mehr Content von War and Peas sehen will, der schaut einfach auf dem Instagram-Account vorbei und/oder wartet auf das nächste Buch.

Fazit

Die Beschreibung von Elizabeth Pich, ihre Comics seien traurig, aber witzig, trifft den Nagel auf den Kopf: Die Cartoons von War and Peas versprühen einen herrlich morbiden schwarzen Humor. Die wiederkehrenden Figuren lassen mich immer wieder schmunzeln und die überspitzten Alltagssituationen bringen einen sogar zum Nachdenken – eine Prise Lehrauftrag ist also auch mit drin. Kurz gefasst: Ich empfehle Von Hexen und Menschen allen Liebhabern schwarzen Humors.

Kennt ihr noch mehr gute Comiczeichner, die eigene Bücher veröffentlicht haben? Wenn ja, welche?

Dieses Rezensionsexemplar wurde mir auf Anfrage freundlicherweise vom Panini Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Bibliographische Daten

Titel: War and Peas. Von Hexen und Menschen
Reihe:
War and Peas 1 (von bisher 1)
Autor:
Elizabeth Pich, Jonathan Kunz
Übersetzung:

Verlag:
Panini Verlag
Genre/Zielgruppe:
lustige Comics für Erwachsene, schwarzer Humor

Preis: 19,00 €
ISBN:
978-3-741-62072-0
Format:
Hardcover
Umfang:
160 Seiten
Erschienen:
21.07.2020
Besonderheit:
komplett farbig

Eine Übersicht meiner Rezensionen findet ihr hier.

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