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[Rezension] Jane Austens Northanger Abbey | Val McDermid

northanger

Titel: Northanger Abbey
Autor(in): Val McDermid
Verlag: Harper Collings Germany
Format: HC mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 304
Erschienen: Februar 2016
ISBN:  978-3-95967-018-0
Preis: 19,90€
Erworben: Januar 2016 via Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Verlag!

Inhalt Lesen ist gefährlich! Zu gern verliert die 17-jährige Pfarrerstochter Cat Morland sich in der Welt der Bücher und träumt von aufregenden Abenteuern. Die sie im ländlichen Piddle Valley niemals finden wird! Doch dann darf sie ihre Nachbarn, die Allens, zu einem Kulturfestival nach Edinburgh begleiten. Wo sie nicht nur unerwartet in Bella Thorpe eine neue Freundin findet, sondern sich in den jungen, aufstrebenden Rechtsanwalt Henry Tilney verliebt. Als Henry und seine Schwester Eleanor sie auf den schönen, aber düsteren Familiensitz Northanger Abbey einladen, geht Cats Fantasie mit ihr durch. Was, wenn hier ein Verbrechen stattgefunden hat? Und tatsächlich wird es für sie gefährlich – wenn auch auf unerwartete Weise. Quelle

Meine Meinung Weil es bisher kein Jane Austen-Roman auf meine Liste mit gelesenen Büchern geschafft hat, habe ich mich über die Nachricht, es werde eine modernisierte Version von Northanger Abbey auf den Markt kommen, sehr gefreut. Dass diese Adaption von einer Krimiautorin geschrieben werden soll, hat mich überrascht, da ich Jane Austen immer mit Romantik und Kitsch, aber auch mit Familiendramen verbunden habe, nicht mit Gewalt und Totschlag. Der Klappentext verriet mir dann, dass es um ein mysteriöses Familiengeheimnis geht und dass es gefährlich für die Protagonistin wird. Während des Lesens habe ich also immer darauf gewartet, dass nun etwas gefährliches passiert… Ich habe lange gewartet. Etwas länger als 300 Seiten, um genau zu sein.

Ich kann leider nicht behaupten, die Originalversion gelesen zu haben, daher weiß ich nicht, ob ich die Geschichte einfach langweilig finde oder ob es an der modernisierten Version hapert. Aber dieses Buch besteht komplett aus [SPOILER] lahmem Gerede und vorgeheuchelten Freundschaften, kurzen Höhepunkten, wenn das Protagonistenpaar aufeinandertrifft, langweiligen Ausschweifungen, Mixturen aus der altertümlichen Sprache und neuzeitlichen Formulierungen und Begriffen und schlicht einer Geschichte, die so extrem nichtssagend ist, dass die Autorin im Epilog darauf hinweist, dass es keine Moral oder Aussage der Geschichte gibt. Ich meine, wenn sie es erkennt, warum wurde dann das Buch geschrieben? Was soll das? Und Cat ist mir zwar anfangs sympathisch, aber dann steigert sie sich zu sehr in ihre Vampir-Fantasie hinein. Bella war schon die ganze Zeit ein Miststück und der General ebenfalls. Henry hat Cat die meiste Zeit nicht beachtet und gesteht ihr auf den letzten 2 Seiten plötzlich seine unsterbliche Liebe? Und sie vergisst dann prompt alles, was sie ihm vorwerfen wollte? Ich meine, wie realistisch ist das denn? [SPOILER ENDE]
Bitte entschuldigt den langen Spoiler-Teil, es lässt sich einfach schwer festmachen, was mich stört, ohne es explizit zu sagen.

Der Schreibstil ist eine Mischung aus altertümlich angehauchten Formulierungen, die vermuten lassen, dass sie zum Teil sogar direkt übernommen worden sind, und neumodischen Ausdrücken, die zwanghaft versuchen, eine Geschichte, die eindeutig nicht in diese Zeit gehört, in die Moderne zu zerren. Anfangs fand ich das ganz angenehm, diese Abwechslung, aber nach und nach nervte mich das nur noch. Ich muss aber dem Buch zugute halten, dass es einigermaßen gelungen ist, die Geschichte zu modernisieren. Da ich, wie gesagt, das Original nicht kenne, kann ich das auch nicht mit Sicherheit sagen. Aber es wirkt die meiste Zeit tatsächlich wie eine moderne Geschichte – eben abzüglich der Szenen, in denen sich eine Tochter total vom Vater unterjochen lässt; in denen ein junges Mädchen ihren Verlobten abblitzen lässt, weil sie von einem Reicheren ein besseres Ehe-Angebot erhalten hat. Das sind Gesellschaftsstrukturen der vergangenen Jahrhunderte und diese lassen sich schlicht nicht übertragen. Den zweiten Stern in meiner Bewertung verdankt dieses Buch nur der Idee, die Jane Austen-Romane überhaupt zu modernisieren. Schließlich wurde so mindestens ein neuer Leser – ich – angeworben. Wenn ich auch nicht zu begeistern war.

Fazit Dieser Roman ist nicht wirklich mein Fall. Es hat mich Mühe gekostet, die Motivation nicht ganz zu verlieren. Ich kann aber nicht sagen, ob das am Original oder an der Adaption liegt.

* * * * *

6 Kommentare

  1. Hallo, Henrike!
    Jetzt bin ich direkt froh, dass dir das Buch nicht so zusagt, weil ich sonst ernsthaft überlegt hätte, ob ich das Buch statt dem Original lesen sollte. Aber ganz ehrlich, da ist mir die echte Jane Austen schon lieber, auch wenn sie manche Handlungsbögen zu sehr streckt.
    Vielleicht werde ich „Northanger Abbey“ sogar als nächstes lesen und es „Emma“ vorziehen. Irgendwie neugierig bin ich jetzt schon. 🙂
    LG, m

    • Hey! Na dann freue ich mich doch, dass ich dir zumindest ein bisschen helfen konnte. 🙂 Viel Spaß mit dem Original – vielleicht magst du mir ja hinterher erzählen, wie dir das gefallen hat? LG

  2. Ich habe einige Jane Austen Bücher gelesen und denke, dass es extrem schwer sein dürfte, diese Geschichten zu modernisieren, ohne sie so stark zu verändern, dass sie Jane Austen Fans nicht mehr gefallen.

    • Ja, das denke ich auch. Nicht speziell bei Jane Austen, aber generell bei alten Büchern. Zum Beispiel Schillers Räuber oder andere klassischen Texte lassen sich schon allein wegen der Rollenverteilung und Gesellschaftsordnung nicht wirklich modernisieren. Das ist hierbei auch ein Punkt gewesen, der mich stört.

    • Eine Anlehnung mit eigenen Elementen, so wie ich das mit meinen Märchen mache, kann allerdings reizvoll sein. 😉

  3. karin

    Hm, ich denke mal…hier passt das Sprichwort ganz gut…Schuster bleibt bei deinen Leisten….oder?

    Manche Sachen werden nicht anderster/besser nur weil man ihnen eine neue Sprachweise verpasst.

    LG..Karin…

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