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[Rezension] Verrückt nach New York 1 – Willkommen in der Chaos-WG | Katrin Lankers

TB | dtv| 272 Seiten | 7,95€ | 978-3-423-71739-7 | ET 07.07.2017 | REX


Erste Worte 

Um wichtige Entscheidungen zu treffen, brauche ich immer drei gute Gründe. Und ich hatte drei sehr gute Gründe, nach New York zu gehen. Dachte ich. Leseprobe


Inhalt 

Liebe, Glamour, Intrigen und ganz viel New York
Maxi hat ihr Abi in der Tasche und träumt davon, Journalistin zu werden. Am liebsten in New York! Als sie ein heiß begehrtes Praktikum bei einem Lifestyle-Magazin in New York ergattert, kann sie ihr Glück kaum fassen. Zumal ihr das auch die Chance bietet, ihr verkorkstes Liebesleben 6000 Kilometer hinter sich zu lassen. Doch in New York landet Maxi in einer WG mit vier total verrückten Mitbewohnern. Es geht drunter und drüber, denn das Haus soll abgerissen werden und der Eigentümer schreckt vor nichts zurück, um sein Ziel durchzusetzen. In der Redaktion bekommt sie einen Typ Marke Schnösel-Streber vor die Nase gesetzt, neue Katastrophen sind also auch hier vorprogrammiert. Und in puncto Liebe ist es komplizierter als je zuvor. Quelle


Rezension

Ich bin mir gar nicht mehr sicher, wie ich wann wodurch auf dieses Buch aufmerksam wurde. Fakt ist, es stand irgendwann auf meiner Wunschliste. Allerdings fallen mir jetzt einige Parallelen zwischen mir und der Protagonistin Maxi auf: Sie bloggt (wenn auch beruflich motiviert), sie lebt in einer WG und sie hat ihre Heimat für ein Praktikum verlassen. (Ich bin inzwischen wieder daheim, aber ich zähle das trotzdem einfach mal mit.) All diesen Gemeinsamkeiten zum Trotz habe ich es nicht geschafft, Maxi ins Herz zu schließen oder sonst irgendeine richtige Beziehung zu ihr aufzubauen.

Das hängt vermutlich unter anderem damit zusammen, dass Verrückt nach New York keine 300 Seiten lang ist. Es fällt mir schwer, mich mit einem Charakter anzufreunden oder gar zu identifizieren, wenn ich nicht genug Zeit habe, ihn überhaupt richtig kennen zu lernen. In erster Linie liegt es aber daran, dass Maxi einfach unnahbar bleibt. Dieses Buch ist aus ihrer Perspektive geschrieben, sie lässt durchaus Einblicke in ihre Pläne zu. Aber ich nenne es bewusst „Pläne“ und nicht „Gedanken und Gefühle“. Denn als Leser erfährt man, was sie warum vorhat, wie sie auf was reagiert – aber nicht, was das mit ihrem Seelenleben anstellt oder was ihre tiefsten Gedanken und Gefühle sind. Es bleibt alles sehr oberflächlich. Zusätzlich fokussiert sich unsere Hauptfigur sehr auf die (oberflächlichen) Geschichten ihrer Mitbewohner sowie auf die (oberflächliche) Suche nach ihren Eltern und es werden Blogeinträge eingeschoben, da bleibt im reinen Text auch grundlegend nicht viel Platz für ihren eigenen Charakter.

Diese Oberflächlichkeit findet sich abgesehen von den Charakteren auch in der Geschichte. Besonders am Ende, als [ACHTUNG, SPOILER!] plötzlich jeder Bewohner der WG auf einer einzigen Party seinen, wie man auf Englisch so schön sagt, significant other findet [SPOILER ENDE], habe ich fast genervt aufgestöhnt. Das war dann wirklich zu viel des Guten. Ich hatte von der Handlung insgesamt mehr erwartet und wurde letztendlich ziemlich enttäuscht: Die Redaktion, in der Maxi ihr Praktikum absolviert, ist voller Stereotypen, die WG ebenso und generell jede einzelne Figur, die in Verrückt nach New York auftaucht, stammt aus der Klischee-Suppenküche. Versteht mich nicht falsch: Ich habe kein Problem mit Klischees. Manchmal finde ich es auch sehr angenehm, mich in solche vorprogrammierten Geschichten fallen zu lassen, um ganz einfach abschalten zu können. Diese Version von „Ich werfe ein paar Stereotypen und Klischees in einen Topf und koche meine ganz eigene Suppe daraus, die man so noch nie irgendwo gesehen hat!“ funktioniert in meinen Augen aber absolut nicht.

Bevor jetzt nur negative Dinge hier stehen, möchte ich doch mit etwas Positivem schließen: Das Cover ist sehr nett gestaltet, ich mag die Kombination der vielen Sehenswürdigkeiten von New York in der kleinen Collage, wenn mir auch für meinen Geschmack die Farben etwas zu grell sind. Ich vermute, dass ich einfach nicht der Zielgruppe entspreche. Bei der Recherche für diese Rezension habe ich nämlich festgestellt, dass das Buch aus dem Verlagsprogramm von dtv junior stammt, und dieses Programm richtet sich an 6- bis 16-jährige. Da die Protagonistin keine 13 oder 14 Jahre alt ist, sondern ihr Abi in der Tasche hat, könnten sich selbstverständlich auch ältere LeserInnen für Verrückt nach New York begeistern – für mich persönlich fehlt es aber an Komplexität und Tiefgang.

Übrigens ist dieses Buch (mit demselben Cover) schon Anfang 2015 im Coppenrath Verlag erschienen.


Fazit

Ein Reihenauftakt, in dem mit Stereotypen jongliert wird, geschrieben für Teenager – mir fehlen Komplexität und Individualität.

2/5


Reihenübersicht

  1. Willkommen in der Chaos-WG
  2. Kleine Fehler, große Folgen (ET 08.12.2017)

Weitere Rezensionen

Für diese Ausgabe von dtv habe ich noch keine weiteren Rezensionen entdeckt, daher verlinke ich ein paar Rezensionen zum Coppenrath-Titel; der Inhalt ist ja derselbe.

  • Tintenhain
  • Hier ist Platz für DEINE Rezension! Schreibe mir den Link via Mail, Twitter, Instagram oder als Kommentar und ich füge ihn sehr gern meiner Liste hinzu.

© Henrike Renken für WatchedStuff – September 2017

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  1. Hallo Henrike,

    das Buch habe ich auch schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste.
    Es klingt ja eigentlich super witzig und chaotisch. Vor allem chaotisch passt sehr gut zu mir.

    Die Seitenzahl ist auch etwas, das mir Sorgen macht. Ich bin ja sowieso kein Freund von dünnen Büchern.

    Schade jedenfalls, dass es dich nicht so überzeugen konnte. Mal abwartenwie es mir gefällt, sollte es jemals bei mir einziehen 😀

    Liebe Grüße
    Julia

    • Hi Julia,
      „Chaos“ war auch bei mir das Schlüsselwort. 😉
      Ich bin gespannt, wie du das Buch findest.

      LG, Henrike

  2. Schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat, aber deine Kritikpunkte kann ich gut nachvollziehen. Wenn man keine Bindung zur Hauptfigur aufbauen kann, ist es sehr schwer, so eine Geschichte trotzdem zu mögen. Ich habe schon mal ein Buch der Autorin gelesen und mochte es wirklich gerne, weshalb mich dieses hier eigentlich auch interessiert hat, aber jetzt bin ich ganz froh, dass ich es nicht gekauft habe.
    Liebe Grüße!

    • Ja, mir fällt es immer wieder schwer, ein Buch zu mögen, wenn ich die Protagonisten einfach nicht verstehe. Wenn sie nicht nachvollziehbare Entscheidungen treffen oder eben einfach sehr oberflächlich gezeichnet sind, macht es keinen Spaß.
      Welches Buch hast du denn gelesen?
      LG!

    • Bei mir war es „Love Train“, das ist aber auch schon eine ganze Weile her.

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