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Rezension: Kingdoms of Smoke 1. Die Verschwörung von Brigant | Sally Green

Kingdoms of Smoke oder Die Verschwörung von Brigant – dieses Buch ist vor zwei Jahren in aller Munde gewesen. Jedenfalls hatte es den Anschein, denn wo auch immer ich mich in den sozialen Netzwerken umgesehen habe, jeder größere Blogger schien an der großen Marketingkampagne teilzunehmen. Und das, noch bevor es überhaupt in den Läden stand. Ich war also sehr neugierig und durfte vorab einen Blick hineinwerfen. Jetzt ist mein Blog endlich wieder online und ich kann diese Rezension mit euch teilen.

Die Geschichte erinnert an viele Jugendfantasybücher der letzten Jahre: Eine Gruppe junger Menschen findet auf unterschiedlichen Wegen zusammen, ihr Schicksal verbindet sie auf verschiedene Weise und zusammen stellen sie sich einem scheinbar übermächtigen Feind. Jede:r hat bestimmte Fähigkeiten oder Merkmale, die ihn oder sie ausmachen.

Die Charaktere

In diesem Fall haben wir zum Beispiel die unterdrückte Prinzessin eines Landes, in dem Frauen keinen Wert, geschweige denn Entscheidungsfreiheit haben und ihren – natürlich auffallend gutaussehenden – Leibwächter, einen Diener, dessen gesamtes Volk ausgelöscht wurde und der nun im Dienst eines kleinen Königreiches steht, ein Mädchen, das seinen Lebensunterhalt damit verdient, vor Dämonen davonzulaufen und einen Dieb, der plötzlich erfährt, dass sein abwesender Vater scheinbar von höherem Rang ist, als er sich hätte vorstellen können.

Diese und mehr Figuren begleiten wir abwechselnd durch ihre Kapitel und erfahren, wie sie sich begegnen und verpassen und vor welche Herausforderungen sie gestellt werden. Dabei steht ein Krieg in den Startlöchern, es werden Gesetze gebrochen und je nachdem, welchen Charakter wir gerade begleiten, stehen andere Probleme im Vordergrund.

Was mir gefällt

Der Schreibstil ist dem Genre angemessen und lässt sich sehr flüssig verfolgen: Ich habe Die Verschwörung von Brigant in eineinhalb Tagen verschlungen. Besonders gut gefielen mir die Passagen aus der Sicht der anfangs sehr naiven Prinzessin Catherine, in denen sie lernt, wie in ihrer Heimat mit Frauen umgegangen wird, in denen sie heruntergemacht und gezwungen wird, der Hinrichtung einer anderen Frau beizuwohnen, damit sie ihre Lektion (Gehorche!) lernt – und in denen gleichzeitig viele clevere und mutige Frauen eine wichtige Rolle für die Handlung spielen.

Momente, in denen sie Hoffnung schöpfen kann aus dem, was ihre Vertrauten ihr an die Hand geben, wie sie lernt, über sich hinaus zu wachsen und sich über diejenigen hinweg zu setzen, die sie ihr Leben lang in einem Käfig gehalten haben – in einem Käfig, der nicht immer golden war. Auch die anderen Figuren haben ihren Charme, besonders Prinz Tzsayn, Tash und Edyon haben es mir angetan. Die Bösewichte sind sehr gut geschrieben und die Autorin machte es mir leicht, sie zu verabscheuen.

Auch das Worldbuilding ist meiner Meinung nach gut gelungen. Die Karte im vorderen wie im hinteren Buchdeckel erleichtert die Orientierung und das Verfolgen der Geschichte. Zusammen mit meinem Leseexemplar gab es auch eine große Poster-Version der Landkarte auf der Innenseite eines zweiten Schutzumschlags, sogar in Farbe. Das ist ein tolles Extra, das mir sehr gut gefällt und von dem ich mir wünschte, dass es häufiger solchen Büchern beigefügt würde.

Die Verschwörung von Brigant. Kingdoms of Smoke 1. Band 1. Coveransicht vor weißem Hintergrund. Von Sally Green.

Was mir nicht gefällt

Schade finde ich, dass der titelgebende Dämonenrauch eine verhältnismäßig kleine Rolle im Verlauf der Handlung spielt. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Szenen, in denen er oder die Dämonen selbst auftauchen und gegen Ende erklärt sich auch die Funktion dieser Wesen. Der Titel ist also keineswegs falsch gewählt. Ich hätte mir schlicht gewünscht, dass dieser Teil der Geschichte – eben genau der, der aus einer einfachen Geschichte in einer mittelalterlichen Welt eine Geschichte der Fantasy macht – präsenter wäre.

Fazit

Leider muss ich auch auf meine Formulierung von oben zurückgreifen: Das Buch erinnert stark an viele andere dieses Genres aus den letzten Jahren. Das macht die Geschichte nicht schlechter, sie ist nur einfach nichts besonderes in dem großen Einheitsbrei. Das Buch ist gut und unterhaltsam, es macht Spaß, es zu lesen, aber es sticht nicht aus der Masse hervor. Ich habe die Hoffnung, dass der zweite Band noch etwas spannender wird, jetzt, da die Figuren einander gefunden haben und nachdem einiges passiert ist; dass ein paar Erwartungen, die mit diesem ersten Band geschürt wurden, erfüllt werden. Wir werden sehen.

Dank geht raus an vorablesen.de und den Verlag für das Rezensionsexemplar.


Bibliografische Daten

Titel: Kingdoms of Smoke 1. Die Verschwörung von Brigant
Reihe: Band 1 von aktuell 3
Originaltitel: The Smoke Thieves
Autorin: 
Sally Green
Übersetzung: 
Alexandra Ernst
Verlag: 
dtv
Genre/Zielgruppe:
 Fantasy, Jugendbuch, empfohlen ab 14

Preis: 18,95 € (kaufen auf genialokal.de)
ISBN: 
978-3-423-76263-2
Format: 
Hardcover mit Schutzumschlag
Umfang: 
544 Seiten
Erschienen: 
20.09.2019
Besonderheit: Karte

Weitere Meinungen

„Ein spannender Weltenbau, vielversprechende Handlungselemente und ein zum Ende hin rasanter werdendes Tempo konnten trotz einiger Schwächen am Anfang und in der Charaktergestaltung dennoch alles in allem unterhalten.“

Philip von Book Walk

„Dafür, dass ich mir die Geschichte so episch und spannend vorgestellt habe, war das Ergebnis doch ziemlich ernüchternd. Zum Ende hin gab es dann endlich ein wenig von dem, was ich mir die ganze Zeit erhofft hatte, wodurch ich wohl trotzdem zu der Fortsetzung greifen werde.“

Jill von Letterheart

„Ich denke, dass das der größte Punkt ist, wieso ich eigentlich enttäuscht bin. Über die brutalen Szenen kann ich noch hinwegsehen. Doch nicht über das Gejammer und vor allem nicht über den Schreibstil. Dabei bieten mir die Geschichte und auch das Pärchen, sowie Catherine am Ende, eigentlich genug, um weiter lesen zu wollen. Ich glaube es nicht, sollte sich allerdings der Schreibstil im nächsten Band ändern, wäre ich gerne als Leserin wieder mit an Bord.“

Judith von Das Bambusblatt

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