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[Filmtipp] Dinner for One | Silvesterspecial

Wer kennt ihn nicht, den Klassiker des Silvesterabends? Dinner for One flimmert seit 53 Jahren über die deutschen Bildschirme, wenn das Jahresende in greifbare Nähe rückt, und noch immer haben die Witze ihren Charme nicht verloren.

Für all jene, die ihr gesamtes Leben unter einem Findling oder auf dem Mond verbracht haben und deshalb keine Ahnung haben, wovon ich spreche sowie für diejenigen, die einen schwärmerischen Artikel über herrlichen britischen Humor gerade gut vertragen können, bevor sie den Fernseher zum alljährlichen Ritual (“The same procedure as EVERY year, James!”) einschalten, habe ich heute einen neuen und längst überfälligen Filmtipp für euch.


Worum geht es eigentlich?
Das kurze Theaterstück in Schwarz-Weiß, Dinner for One, kommt mit zwei Schauspielern und einem Moderator, der die Szenerie vor Beginn erklärt, aus: Miss Sophie feiert ihren 90. Geburtstag und ihr Butler James verkörpert ihre leider bereits verstorbenen Freunde Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom. Dabei werden diverse Gänge serviert, ein jeder mit dem entsprechenden alkoholischen Getränk. Da James den Becher jedes “Gastes” leeren muss – denn das ist die alljährliche Tradition – wird er immer betrunkener, tollpatschiger und fröhlicher. Während Miss Sophie ihre adlige Kühle behält, schlägt ihr Butler die Hacken zusammen, nuschelt einen Trinkspruch und trinkt aus der Blumenvase – all das selbstverständlich in den Rollen der jeweiligen Geburtstagsgäste. Das Brathähnchen lernt fliegen und die Treppe läuft man schnell hinauf, bevor man die Hausherrin an der Lehne ihres Stuhls nach hinten kippt – all dies sind Szenen, die den Liebhabern dieses kurzen Sketches bekannt vorkommen sollten. Auch Zitate wie “White wine with the fish” oder “Cheerio, Miss Sophie!” sowie die Running Gags des Stolperns und Springens über den Tigerteppich-Kopf oder das wiederholte “The same procedure as last year?” – “The same procedure as every year, James!” werden ihnen nicht fremd sein.

Wie eingangs erwähnt benötigt dieser Kult-Sketch nur zwei Personen: Freddie Frinton in der Rolle des Butlers James, May Warden als Miss Sophie. Dinner for One ist eine Produktion des NDR, der Regisseur war Heinz Dunkhase.


Was macht diesen Film bzw. Sketch nun aber so besonders, dass ich euch davon erzähle – und dass er seit über 50 Jahren zu der Silvestertradition vieler deutscher Familien gehört? Ich fasse mich kurz.

1. Running Gags
Wenn man während des ersten Ganges des Geburtstagsdinners noch nur schmunzeln musste – sei es, weil man der englischen Sprache nicht mächtig genug ist, um die Witze zu verstehen oder, weil man einfach den Humor nicht teilt – , dann muss man nur warten, bis der zweite aufgetischt wird. Die einfache Wiederholung von Dialogen und das häufige Auftreten bestimmter Ereignisse (wohlbemerkt in einem Zeitraum von 18 Minuten!) machen Dinner for One zu etwas Besonderem.

2. Freddie Frinton
Ich habe diesen Mann in keiner anderen Rolle gesehen, aber er war großartig. Allein die Mimik ist zum Schießen, sein Gang und sein zunehmender (gespielter) Suff setzen dem Ganzen noch die Krone auf. So gut May Warden die Miss Sophie auch porträtiert, mir hätte es auch gereicht, wenn der Butler James die einzige Figur auf der Bühne gewesen wäre.

3. Englisch und andere Sprachen
Ich wage zu behaupten, dass ich mit Dinner for One zwar nicht unbedingt Englisch gelernt hätte, aber es war wohl der erste Film, den ich oft genug gesehen habe, um den Dialog auf Englisch mitsprechen zu können – als ich ungefähr zehn Jahre alt war. Er gehörte eben schon “immer” zu unseren Traditionen, obwohl ich kein Wort und wahrscheinlich auch nicht die Witze verstanden habe. Die Worte sind einfach, die Handlung erklärt vieles und auf diese Weise sind auch Menschen mit wenig Englischkenntnissen in der Lage, den Witz zu begreifen.
Allerdings gibt es diverse Übersetzungen. Man muss sich also nicht einmal die Mühe machen und das Original schauen, sondern kann auf Plattdeutsch, Deutsch, Kölscher Mundart, fernsehhessisch und vielen weiteren Variationen den 90. Geburtstag Miss Sophies genießen.

4. Schwarz-Weiß
Ich liebe das Ohnsorg-Theater. Wem das kein Begriff ist, der melde sich bitte in den Kommentaren, dann erzähle ich euch in näherer Zukunft etwas darüber. Die früheren Aufnahmen dieser Theaterstücke werden noch immer in schwarz-weiß ausgestrahlt, und ich mag sie fast lieber, als die neueren farbigen Stücke.
Das Dinner for One wird ebenfalls in schwarz-weiß gezeigt (Farbfernsehen wurde eben erst in den 1960ern möglich) und auf diese Weise gewinnt der Sketch nicht nur an Klasse, sondern selbst die ulkigsten Sprünge des Butlers wirken noch irgendwie edel. Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, doch für mich üben schwarz-weiße Streifen einen ganz besonderen Reiz aus.

5. Hintergrundgelächter
Ich hasse es normalerweise: Dieses Lachen im Hintergrund beispielsweise einer Serie wie Two and a half men, das den Zuschauern signalisiert, dass gerade etwas witziges passiert ist. Denn der Rest der Serie ist so langweilig, dass man die wenigen lustigen Momente schnell mal verpasst. Das Lachen im Dinner for One ist jedoch nicht durch Computertechnik nachträglich an den entsprechenden Stellen eingefügt, sondern stammt wie beim Ohnsorg-Theater aus den Live-Aufnahmen, aus dem realen und richtigen Publikum. Das wirkt erstens viel echter und zweitens ist da eine Frau im Publikum, die eine solche Lache besitzt, dass ich jedes Mal wieder an einer bestimmten Stelle den Witz vergesse, weil ich so sehr über diese Lache lache…

Bildquelle

EDIT: Hier gibt es einen Rückblick auf den Jahreswechsel 2016/17 im Hinblick auf die Einschaltquoten für Dinner for One.


Kommentare, Kommentare… Ich warte auf euch! Zu diesem Thema habt ihr doch sicherlich alle etwas zu sagen, oder? (Bitte, bitte.)

Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, heute an einem der gefühlt 10 Millionen Sendetermine einfach mal den Fernseher einzuschalten und sich eine der gefühlt 100 Variationen oder Sprachversionen von Dinner for One anzuschauen, der schreibe bitte detailliert in die Kommentare, was ihn davon abhält. Vielleicht zeige ich Verständnis – aber verlasst euch besser nicht darauf…
Wer heute sowieso Miss Sophie und James besuchen wollte, der sei herzlich eingeladen, mir in den Kommentaren von den bisher besten Erlebnissen mit Dinner for One zu berichten. Und wer den Sketch schon kennt, einfach vergessen hatte, dass es schon wieder diese besondere Zeit des Jahres ist und jetzt durch diesen Filmtipp daran erinnert wurde, der teile mir dies doch freundlicherweise mit. Ich freue mich immer, wenn ich helfen kann. Und noch mehr würde ich mich freuen, wenn ihr wenigen, die ihr Dinner for One noch nie gesehen habt und jetzt doch mal hineinschnuppern möchtet, mir hinterher erzählt, was ihr davon haltet. Ich bin so neugierig!

Die Informationen in diesem Artikel stammen übrigens aus dem über Jahre angesammelten Wissen von meiner Mutter und mir über das Dinner for One sowie ein paar Zahlen aus dem Wikipedia-Artikel.


Ich wünsche euch heute einen schönen Silvesterabend (wie verbringt ihr ihn?) und einen ebenso schönen Jahresbeginn, ein frohes neues Jahr, einen guten Rutsch und all die Wünsche, die noch so zu diesen Tagen gehören!

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  1. karin

    Huhu Henrike,

    O.K. auch ich habe mir schon einige Male in meinem Leben „Dinner für one“ angeschaut und hier gilt der Grundsatz….mögen oder nicht mögen….

    Es ist ein eigener Humor, der hier an den Tag gelegt wird….simpel, aber so eingängig….das man ihn irgendwann selber nachsagen kann….hihi…augenzwickern….trotzdem aber immer noch seine, persönliche Freude daran hat……

    Wir gehen zum Inder und dann schauen wir mal was die Nacht bringt……..

    In diesem Sinne allen einen, schönen Start ins Neue Jahr .

    LG…Karin…

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