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Rezension: Was blüht denn da? Kosmos-Naturführer | Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle, Roland Spohn #Pflanzenwoche

Was blüht denn da? ist für mich DER Klassiker der Pflanzenbestimmungsbücher schlechthin. Im Regal meiner Eltern steht eine Bertelsmann-Club-Ausgabe aus dem Jahr 1991, damals noch von Dietmar Aichele geschrieben, aber schon mit Illustrationen von Marianne Golte-Bechtle, und inzwischen ist sie etwas abgegriffen (s. Foto). Der Kosmos-Verlag kann guten Gewissens behaupten, es sei „das meistgekaufte Pflanzen-Bestimmungsbuch“. Denn: Die erste Auflage von Alois Kosch erschien 1935, mein Exemplar ist aus der 59. Auflage (59!!) und 2021 ist schon wieder eine neue Auflage erschienen. Es gibt also nach wie vor ein enormes Interesse an diesem Buch. Aber warum?

Farbcode und Aufbau des Buches

Der Hauptgrund ist meiner Meinung nach das einfache Identifikationssystem nach Blütenfarbe und Blütenblattzahl. Man braucht keine Fachkenntnisse um zu erkennen, dass eine Pflanze gelbe Blüten hat, und um bis zu 5 Blütenblätter zu zählen. Schon hat man die potenziellen Arten eingegrenzt. Die großartigen detailgetreuen Illustrationen in Was blüht denn da? helfen der genaueren Bestimmung ebenso auf die Sprünge wie die kurzen Infotexte zu jeder Pflanze. So kann man beispielsweise 8 verschiedene rote Storchschnabel-Arten anhand der Form und Platzierung von Blättern oder der Behaarung der Stängel identifizieren. Manchmal ist auch die Größe von Blüten oder Blättern relevant und dann kommt ein weiteres Hilfsmittel des Buches zum Einsatz: auf der Rückseite, neben dem Klappentext, ist ein Lineal von 14 cm aufgedruckt.

Was blüht denn da? Coverfotografie. Ausgabe 54. von 1991. #Pflanzenwoche
Die alte Ausgabe Was blüht denn da? von meinen Eltern.

Der Aufbau von Was blüht denn da? ist so einfach wie praktisch: Auf das Inhaltsverzeichnis folgen einige Seiten Ein- und Anleitung für die Bestimmung. Ein Schaubild erklärt die Bestandteile der Bestimmungsseiten im Buch, sodass zum Beispiel der Schutzstatus einer Pflanze nicht übersehen werden kann, oder wichtige Bestimmungsmerkmale sofort erkannt werden können. Nach der Einleitung kommt der Hauptteil des Buches: Die Bestimmungsseiten der Blumen, sortiert in rote, weiße, blaue, gelbe und grüne oder braune Blüten. Diese sind jeweils sortiert nach der Blütenblattzahl. Darauf folgt ein Kapitel über Bäume und Sträucher – diese sind unterteilt in „Nadelbäume“ und „Laubbäume und Sträucher“ – und ein Kapitel über Gräser.

Im ausklappbaren Umschlag vorn ist der Aufbau einer Pflanze mit entsprechenden Bezeichnungen dargestellt und auf der Innenseite findet man den Kosmos Farbcode auf einen Blick. Dabei wird auch die Seitenzahl des Kapitelanfangs angegeben, sodass man rasch zur richtigen Stelle im Buch gelangt. In der hinteren Klappe gibt Was blüht denn da? einen Überblick über die wichtigsten Giftpflanzen – sehr hilfreich und schnell auffindbar!

Hilfreich ist auch das Register hinten im Buch, wenn man zum Beispiel eine spezielle Pflanze sucht. Das tolle daran: im Register stehen sowohl die bekannten deutschen Namen als auch die wissenschaftlichen Bezeichnungen. Was blüht denn da? bietet zudem einen Überblick über botanische Fachausdrücke – für Laien verständlich als Bild dargestellt. Zum Beispiel erkennt man auf den Abbildungen super, ob ein Blattrand nun „gesägt“ oder „gezähnt“ ist. Das würde ich persönlich nicht sofort erkennen …

Bevor man sich für Was blüht denn da? entscheidet, sollte eines aber beachtet werden: Das Buch ist auf einheimische Wildpflanzen ausgelegt. Zimmerpflanzen finden sich hier deshalb nicht.

Die App zum Buch?

Es gibt zwar keine eigene Was blüht denn da?-App, aber der Kosmos Verlag arbeitet mit dem Forschungsprojekt Flora Incognita zusammen. Ziel des Projekts ist eine „effiziente und vor allem zuverlässige Methode zur Artenbestimmung“. Basierend auf den Forschungsergebnissen hat man eine kostenlose gleichnamige App entwickelt, mit der Pflanzen bestimmt werden können. Dazu nimmt man jeweils ein Foto von der Blüte und dem Blatt auf und die Flora Incognita-App sagt einem, welche Pflanze es mit großer Wahrscheinlichkeit ist – auf der Internetseite ist aktuell die Rede von einer Genauigkeit von 83,5 %. Das Projekt wurde inzwischen mit mehreren Ehrungen ausgezeichnet, unter anderem ist es ein offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“. Mehr Infos zum Projekt findet ihr, wenn ihr dem Link oben folgt.

Der Kosmos Verlag hat das auf seiner Internetseite kurz zusammengefasst:

Die Bestimmungs-App vernetzt Millionen von Bildern mit künstlicher Intelligenz. Durch teilautomatische Bilderkennung auf dem Smartphone liefert sie Ihnen schnell die Antwort auf die Frage „Was blüht denn da?“.

Zitatquelle

Und worin besteht die Zusammenarbeit mit Was blüht denn da? Mit einem bestimmten Code des Verlags können die Inhalte des Buches (zum Beispiel die Beschreibungstexte oder die Illustrationen) in der App angezeigt werden. In der Theorie klingt das gut, also hab ich das mal ausprobiert.

So funktioniert die Pflanzenbestimmung mit der Flora Incognita-App. Bildquelle

Die Pflanzenbestimmung scheint gut zu funktionieren und der Prozess von der Frage „Was blüht denn da?“ bis zur Antwort, die die App mir verrät, ist a) leicht und gut erklärt und b) schnell durchgeführt. Das ist schon mal ein Pluspunkt. Wenn ich mir aber die Informationen anschaue, die mir die App zu den jeweiligen Pflanzen gibt, dann sehe ich zumindest nicht die typischen Was blüht denn da?-Illustrationen, die mir versprochen wurden. Bei den Texten muss ich auch zweimal hinschauen, bis ich Parallelen zum Buch erkenne, identisch sind sie jedenfalls nicht immer.

Da die Kooperation aber erst mit meiner Ausgabe von 2015 begonnen hat, also noch recht jung ist, kommen vielleicht mit der Zeit noch weitere Inhalte. Ich würde mich besonders über die Illustrationen freuen, da diese mir die Identifizierung oft sehr erleichtern – mehr noch als Fotos. Denn bei den Zeichnungen können die Illustrator*innen darauf achten, die wichtigsten Merkmale genau abzubilden, während auf Fotos gern mal ein Blatt einer anderen Pflanze darüber ragt oder genau dieser Teil der Pflanze abgebrochen ist. Es ist eben die Natur, da ist nicht alles schematisch perfekt.

Fazit

Zur Pflanzenbestimmung ist die App Flora Incognita durchaus praktisch. Da die Inhalte des Buches aber für mich in der App nicht wirklich ersichtlich sind, gehe ich nicht noch weiter darauf ein.

Das Buch Was blüht denn da? selbst ist für mich, wie eingangs schon mal beschrieben, DAS Pflanzenbestimmungsbuch meiner Wahl. Wenn ich nicht den einfachen Weg nehme und meine Schwester frage, die Biologie studiert hat und sich intensiv mit Pflanzenbestimmung beschäftigt, dann greife ich nach diesem Buch. Es ist leicht verständlich, hat einen sinnvollen Aufbau und großartige Illustrationen.

Ein kleiner Minuspunkt: Eben weil es ein Standardwerk ist und sehr umfassendes Wissen beinhaltet, ist Was blüht denn da? keine kleine Broschüre, sondern ein 900 Gramm schweres Buch. Manchmal hat man einfach keine Lust, so einen Ziegelstein mitzunehmen. Da ist eine App doch angenehmer. Aber zuhause wird dann nachrecherchiert!


Die Bücher der #Pflanzenwoche auf einen Blick! Anstiftung zum gärtnerischen Ungehorsam; Was blüht denn da?; Unverwüstliche Zimmer- und Balkonpflanzen; Die schönsten Zimmerpflanzen für dunkle Räume; Food for Future; Die ganze Pflanze
Alle Bücher der #Pflanzenwoche auf einen Blick!

Es ist #Pflanzenwoche hier auf Buchstabensalat !

Schon seit einigen Monaten spukt die Idee für eine Aktionswoche durch meinen Kopf, in der ich mich nur auf Bücher über Pflanzen konzentriere. Jetzt ist es endlich soweit und ihr bekommt diese Woche ganz verschiedene Bücher präsentiert! Es geht ums Kochen, um Pflanzenbestimmung unterwegs, um Zimmerpflanzen für dunkle Räume und den Balkon und auch Guerillagärtnern kommt nicht zu kurz! Abschließend habt ihr die Chance, selbst einige dieser Bücher zu gewinnen.
Also bleibt dran! Lest die Artikel, sammelt die hervorgehobenen Buchstaben und wer am Ende das richtige Lösungswort errät, hüpft in den Lostopf für die Bücher- und Pflanzenpakete!

Die #Pflanzenwoche auf einen Blick:

Freitag: Ankündigung der #Pflanzenwoche und Erklärung des Gewinnspiels

Heute: Was blüht denn da? Kosmos-Naturführer
Dienstag: Die ganze Pflanze. 60 Zero-Waste-Rezepte mit Blatt, Schale, Strunk Stiel. Regional. Saisonal. Nachhaltig.
Mittwoch: Unverwüstliche Zimmer- und Balkonpflanzen. 50 Überlebenskünstler, die mit fast gar nichts auskommen
Donnerstag: Food for Future. Das restlos gute Kochbuch: nachhaltig, klimafreundlich und lecker
Freitag: Anstiftung zum Gärtnerischen Ungehorsam. Bekenntnisse einer Guerillagärtnerin
Samstag: Die schönsten Zimmerpflanzen für dunkle Räume
Sonntag: Gewinnspiel

Sonntag in einer Woche: Gewinnspiel-Auflösung und Bekanntgabe der Gewinner*innen


Bibliografische Angaben

Titel: Was blüht denn da?
Autorin: 
Margot Spohn
Illustrationen: Marianne Golte-Bechtle, Roland Spohn
Verlag: 
Kosmos
Genre/Zielgruppe:
Sachbuch, Pflanzenbestimmung, empfohlen ab 10 Jahren

Preis: 19,99 € (neue Ausgabe kaufen auf genialokal.de)
ISBN: 
978-3-440-13965-3
Format: 
Taschenbuch
Umfang: 
496 Seiten
Erschienen: 
2015
Besonderheit: 2065 Farbzeichnungen, 112 SW-Zeichnungen; Inhalte nach Freischaltung in der App Flora Incognita enthalten

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