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Rezension: Nevernight 2. Das Spiel | Jay Kristoff

Band 1 von Nevernight hat mich gut unterhalten, aber nicht so richtig vom Hocker gehauen. Trotzdem wollte ich nach dem echt fiesen Cliffhanger wissen, wie es mit der jungen Assassinin Mia Corvere in Das Spiel weitergeht.

Mia kehrt zurück nach Gottesgrab, die Stadt der Brücken und Gebeine. Als Assassine folgt sie den Befehlen der Roten Kirche aufs Wort und tötet, ohne Fragen zu stellen. Ihr eigentliches Ziel bleiben jedoch die Männer, die ihre Familie auf dem Gewissen haben: Konsul Scaeva und Kardinal Dumo.
Als Mia herausfindet, dass der Assassinenorden in Wahrheit Scaeva schützt anstatt ihr zu helfen, kehrt sie ihm den Rücken und fasst einen folgenschweren Entschluss: Sie verkauft sich selbst in die Sklaverei, um als Gladiatorin bei den Großen Spielen anzutreten. Denn dem Gewinner, so heißt es, wird eine private Audienz bei der Elite des Reiches gewährt … Ist das ihre Chance, an Scaeva und Dumo heranzukommen?

Quelle

Dieser kurze Klappentext verrät schon, worauf der Fokus in Das Spiel liegt: während Band 1 sich zwar stark an historischen römischen Elementen orientiert hat, steigen wir jetzt so richtig in die Gladiatorenkampf-Kultur ein und durchlaufen mit Mia so einige schwere Etappen auf dem Weg zu ihrer Rache.

Arenakämpfe und Gewalt

Das alte Rom gehörte zu meinen Lieblingsthemen im Geschichtsunterricht und ich finde auch heute noch die Kultur und die Erfindungen dieser Zeit sehr spannend. Im Kontext dieses Fantasy-Romans wurde es mir aber öfter mal zu viel. Mir fehlte, um es auf den Punkt zu bringen, die kreative Ausschmückung der altrömischen Elemente anstelle von einfachem Abschreiben vorhandener Strukturen. Charaktere mit lateinischen Namen; eine Politik mit Konsuln und Senat; Arenen, in denen Sklaven und Berufskämpfer*innen (die meist auch Sklaven waren, zumindest aber als solche ihren Anfang gemacht hatten) den nach Gewalt gierenden Massen als Unterhaltung dienen – das alles ist so dicht an der echten historischen Vorlage, dass es mir schnell langweilig wurde.

Ich vermisste in Das Spiel viel von der fantasievollen, dramatischen Erzählweise aus dem ersten Band. Klar, ich habe interessiert Mias Weg verfolgt, aber ich habe nicht wirklich mitfiebern können. Vieles war mir total egal. Teilweise bestanden ganze Kapitel nur aus Gemetzel und ein, zwei kurzen Momenten, die einen Funken Hoffnung auf feinfühlige Intrigen aufblitzen lassen haben. Aber es fehlte das gewisse Etwas, das Band 1 Die Prüfung so besonders gemacht hatte. Wer auf reine Brutalität ohne tieferen Sinn steht, der ist mit diesem Mittelteil der Trilogie gut bedient. Für mich reichte es einfach nicht aus.

Das Spiel Nevernight Band 2_Jay Kristoff

Dunkelinn und bekannte Gesichter

Das Einzige, was mich inhaltlich bei Laune gehalten hat, war die Weiterentwicklung von Mias Dunkelinn-Kräften. Ihr ständiger Schlagabtausch mit ihren beiden Schattenbegleitern Eclipse und Herr Freundlich hat mich öfter zum Schmunzeln gebracht. Auch die Begegnung mit einer weiteren Person mit Dunkelinn-Kräften, die aber nichts davon wissen will, hat für Spannung gesorgt.

Die Wiederkehr einiger Figuren aus Band 1, die ich teilweise erwartet, mich an anderen Stellen aber überrascht haben, konnte nur kurz meine Stimmung heben. Denn nach ein, zwei Kapiteln haben mich auch diese Interaktionen ziemlich gelangweilt. Insgesamt gab es vielleicht fünf Kapitel, die mich fesseln konnten.

Zu lang, zu leer

Ich finde, das Buch hätte auf die Hälfte gekürzt und die Handlung so ordentlich gestaucht werden können, und es wäre wirklich rein gar nichts verloren gegangen. Ich meine, es hat über 700 Seiten! Die sind absolut nicht nötig – und das sage ich als eine Person, die gern lange Romane liest! Schade eigentlich, denn Mias Geschichte von Rache und persönlichem Wachstum mit einer Prise Magie hat so viel Potenzial. Aber leider hat Das Spiel wohl dasselbe Schicksal wie so viele Mittelteile von Trilogien.

Schade finde ich auch, dass die Fußnoten beim eBook nicht funktionieren. Also, die Links funktionieren schon, das ist nicht da Problem. Aber die Fußnoten sind gesammelt am Ende des Buches und mit jedem Klick auf den Link springt man nach hinten, nur um herausfinden zu müssen, wo man stehen geblieben war. Das Konzept funktioniert im Print wesentlich besser. Ich habe es deshalb irgendwann aufgegeben, die Fußnoten zu lesen (was ich aber auch beim ersten Band nicht komplett durchgezogen hatte).

Ich muss zugeben, dass der Cliffhanger wieder sehr gelungen ist. Trotzdem nehme ich gedanklich erst mal Abstand von der Idee, den dritten und finalen Band der Trilogie zu lesen.

Fazit

Mich hat Das Spiel überwiegend gelangweilt und die Handlung zog sich unnötig in die Länge. Es macht den Anschein, als sei das Ziel des Buches nur das Unterbringen von möglichst viel Gewalt gewesen und als wollte man Mia nur noch mehr metaphorische Steine in den Weg legen. Stark gekürzt und mit wesentlich mehr nicht-römischen, fantastischen Elementen versehen hätte Das Spiel für mich besser funktioniert. Wenn ich es in Sternen ausdrücken müsste, könnte ich mir gerade so 3 von 5 abringen.

Vielen Dank an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar.


Bibliografische Daten

Titel: Nevernight 2. Das Spiel
Autor*in: Jay Kristoff
Übersetzung: Kirsten Borchardt
Verlag: FISCHER Tor
Genre/Zielgruppe/Themen: Fantasy, ab 14

Preis: 9,99 € (kaufen auf genialokal.de)
ISBN: 9783104902920
Format: eBook
Umfang: 704 Seiten
Erschienen: 25.04.2018

Weitere Meinungen zu Das Spiel:

“Mit “Nevernight: Das Spiel” ist Jay Kristoff eine gelungene Mischung aus brutalen Gladiatorenkämpfen, emotional prickelnden Liebesszenen und taktisch klug entwickelten Handlungen gelungen, deren Lesesog man sich kaum entziehen kann und förmlich in die Geschichte eintaucht.”

his and her books

“Es ist ein turbulentes, spannungsgeladenes und atemberaubendes Abenteuer. Eine Geschichte, die mir so viel mehr geboten hat und auf einem ganz anderen Niveau aufgebaut ist, als ich es sonst kenne. Wenn ich sage, dass es in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk ist, dann hat diese Aussage noch nie so sehr zugetroffen wie hier.”

Jill auf Letterheart
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